And the Winner is: Mosel-Camino mit Rheinsteig

#deutschland #wanderung #fernwanderung #wandern #fernwandern #rucksack #jakobsweg #moselcamino #rheinsteig #wanderblog #wanderblogger #outdoorblog #wald #mosel #rhein #läuftbeiihr

Raus aus alten Mustern

Als Quintessenz meines Camino Portuguese habe ich Anfang Juni 2017 nach zehn Jahren spontan meinen Job gekündigt, sehr zur Begeisterung des Familienoberhaupts männlicherseits. Mein Vater konnte nicht verstehen, wie ich eine unbefristete Stelle als Abteilungsleitung einfach so an den Haken hängen konnte, ohne bereits Ersatz zu haben. Was ihn einige Nächte in die Schlaflosigkeit trieb, nahm mir einen schon länger anhaltenden Druck.

Und so verplante ich fröhlich die kommende, freie Zeit für die nächste Fernwanderung und machte mir jobmäßig wenig Sorgen. Es würde schon werden, wenn es sich so gut anfühlte! Wie so häufig vereinten sich mein grenzenloser Optimismus und mein sehr gesundes Selbstbewusstsein zu einer entspannten Melange – ich würde sicherlich etwas Neues finden. So war es dann übrigens auch (um hier gleich die Möglichkeit eines Cliffhangers zu unterbinden). Ich bin eben ein Glückskind.

Die Qual der Wahl

Zwei Wochen Resturlaub und vier Wochen bis zum Beginn des neuen Jobs. Das schrie geradezu nach dem perfekten Zeitfenster für eine weitere weite Wanderung. Meine einzige Challenge: am Ende von Woche zwei war ich auf eine Hochzeit in Bonn eingeladen, die ich in das Abenteuer einbauen musste.

Ich verschob daher meinen Plan, auf den Spuren Franz von Assisis von Florenz über Assisi nach Rom zu laufen und machte mich auf die Suche nach deutschen Fernwanderwegen. Bereits nach Beendigung meines zweiten (portugiesichen) Jakobswegs hatte ich mir vorgenommen, nicht immer in die Ferne zu schweifen, sondern mal vor der eigenen Haustür zu schauen. Warum also nicht gleich Nägel mit Köpfen machen?

Die Auswahlkriterien

Ich wollte

  • mindestens 3 Wochen am Stück laufen
  • mindestens 400 km zurücklegen
  • Wald, Wald, Wald
  • gern ein bisschen auf und ab
  • irgendwas, bei dem sich Bonn gut in den Plan intergrieren ließ

Nach zwei Tagen Recherche stand meine Fernwanderung auf dem Papier. Ich würde erst den Mosel-Camino von Koblenz-Stolzenfels nach Trier laufen (ca. 180 km), dann ein Päuschen einlegen und die Hochzeit feiern und mir anschließend den Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden (ca. 320 km) vorknöpfen.

Mosel und Rhein

Ursprünglich hatte ich den Moselhöhenweg im Blick, doch meine nicht ganz geheime Leidenschaft für Jakobswege gab den Ausschlag, den Mosel-Camino zu machen. Der Rheinsteig bestach durch seinen Anfangsort: Bonn. Außerdem würde ich endlich mal einen Fuß ins Siebengebirge setzen, was mir in sieben Jahren Studium in der ehemaligen Bundeshauptstadt nicht ein einziegs Mal gelungen war.

Bei der Recherche fand ich überraschend wenig Erfahrungsberichte in Blogs. Das sollte übrigens später der Auslöser für diesen Blog werden. So hat eben alles sein Gutes. Was es online hingegen ganz hervorranged gab, waren Webseiten mit detailierten Etappen-Informationen, sowohl für den Mosel-Camino als auch für den Rheinsteig. Einen separaten Wanderführer brauchte ich also nicht. Schon wieder ein paar Gramm gespart.

Basecamp sei Dank

A propos Gewicht sparen. Meine Freundin aus Studienzeiten in Bonn erklärte sich netterweise sofort bereit, als Basecamp zu fungieren und meinen „Hochzeitskoffer“ zwischenzulagern. Meine Lust, High Heels und Abendkleid durch die Natur zu schleppen, hielt sich nämlich überraschenderweise in Grenzen.

Den letzten Wanderungen verdanke ich eine erfolgserprobte Packliste, die ich nur geringfügig modifizieren musste (Schlafsack raus, iPad rein, Bikini raus, zweites langärmliges Shirt rein), so dass ich zeitnah starten konnte. An meinem dritten freien Tag saß ich im Zug von Hamburg nach Bonn und war höchst gespannt, was mich diesmal erwarten würde. Die Wetteraussichten waren vielversprechend.

Ich fragte mich, wie viele „Camigos“ wohl mit mir unterwegs sein würden, bzw. ob es überhaupt andere Pilger / Wanderer geben würde, die diese Strecke am Stück laufen würden. Wie würde sich die Unterkunftssuche gestalten, wie häufig würde ich mit Kater vom abendlichen Weingenuss starten und würde es sich auch diesmal nicht rächen, dass ich fitnesstechnisch mal wieder auf den guten, alten Kaltstart gesetzt hatte? Würde ich im Anschluss überhaupt noch Lust haben, den Rheinsteig zu laufen oder würde ich Sonne und Strand oder das heimatliche Sofa vorziehen?

Fragen über Fragen. Die Antworten folgen.

Hier geht es auf den Mosel-Camino und hier kommt man zum Rheinsteig

Und was sagst Du?