Und hämisch hört man es kichern – 6 Tage Harzer Hexen-Stieg

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Es waren einmal zwei Prinzessinnen, die hatte das Schicksal an weit voneinander entfernte Orte geführt. So weit sie von der Entfernung auseinander waren, so nah waren sie sich doch stets in ihren Herzen. Eines Tages fassten sie den Entschluss, der Entfernung zu trotzen und sich gemeinsam in ein Abenteuer zu stürzen. Der Sage nach gab es nämlich eine Gegend in der Mitte des Königreichs, in der Hexen und andere, mystische Wesen zu finden seien. Durch diese Gegend verlief ein Weg, der direkt über den Blocksberg führte und den die beiden Prinzessinnen zu Fuß in sechs Tagen zu überqueren gedachten.

So oder so ähnlich starten wir mit dem Projekt Harzer Hexen-Stieg. Wir, das sind in diesem Fall meine beste Freundin Julie und ich. Wir kennen uns seit dem Studium und haben schon viel gemeinsam erlebt – ist ja auch schon ein paar Jährchen her. Dass Julie eine ausgeprägte Wanderleidenschaft ihr Eigen nennt, wäre mir neu. Umso überraschter bin ich, als sie mich nach meiner letzten längeren Wanderung an Mosel und Rhein fragt, ob ich mir vorstellen könne, sie mal bei einer kürzeren Wanderung mitzunehmen.

Zusammen ist man weniger allein

Ich freue mich, dass mein Hobby auf so viel Interesse stößt, bin aber ein wenig skeptisch. So beginnt meine Antwort freundlich mit „Ja, aber.“ Sogleich lobe ich zwei Bedingungen aus: Jede läuft ihr Tempo, auch wenn das vielleicht heißt, dass man nicht die ganze Etappe in unmittelbarer Schrittweite ist, und sollte Julie nach ein paar Tagen feststellen, dass das Ganze nichts für sie ist, kann sie gerne abbrechen, aber ich werde trotzdem weitergehen.

Während ich dies schreibe, merke ich, wie unglaublich unsympathisch ich klinge. Zur Erklärung meiner leicht egoistischen Grundbedingungen sei gesagt, dass ich auf mehreren Fernwanderungen Zeuge wurde, wie sehr es auf die Stimmung geht, wenn Einer schneller oder langsamer laufen möchte als der Andere, dass überpacen zu Blasen oder anderen Blessuren führt und dass zu langsames Gehen Frust auslöst.

Auf dem Jakobsweg habe ich gesehen, wie Freundschaften einen ordentlichen Knacks bekamen und Ehen auf harte Proben gestellt wurden, weil das Lauftempo der Beteiligten so unterschiedlich war. Auch wenn der Hexenstieg vergleichsweise kurz ist, würde ich uns das gern ersparen und kläre es lieber im Vorhinein.

So ist der Trip also nicht nur für Fernwanderneuling Julie eine Herausforderung. Auch mich stellt er vor eine neue Situation. Es ist das erste Mal, dass ich gezielt mit jemandem einen Weg von Anfang bis Ende wandern will. Ich bin ein großer Fan von Alleinlaufen. Allerdings muss ich einräumen, dass ich gerade an Mosel und Rhein die Einsamkeit am Abend oft verflucht habe, als es niemanden gab, mit dem ich mich hätte unterhalten und die Eindrücke des Tages bereden können. Wieso also dann nicht mit der besten Freundin gemeinsam ins Abenteuer starten?

Wanderplanung mit Hindernissen

Das kleine Zeitfenster, das uns beiden passt, fällt ausgerechnet in die Sommerferien, einem Zeitpunkt, dem ich sonst nach Möglichkeit aus dem Weg gehe. Die Wegewahl gestaltet sich auch nicht gerade einfach.

Ursprünglich hatten wir den Malerweg in der Sächsischen Schweiz ins Auge gefasst, doch dessen steigende Beliebtheit in Kombination mit dem heißen Sommer beschert mir kein gutes Bauchgefühl. Ich möchte eine zehntägige Tour nicht im Voraus komplett durchbuchen, ohne die Kondition und Fitness aller Beteiligten zu kennen, nur um auf jeden Fall ein Bett zu haben. Außerdem habe ich wenig Lust, mir den Weg mit allzu vielen anderen Leuten teilen zu müssen.

Ein Alternativplan muss her. Der Muellerthal-Trail in Luxemburg steht noch auf meiner Liste. Er hat den Vorteil, dass er von Julies Wohnort super zu erreichen ist. Sollte sie es sich also unterwegs doch noch anders überlegen, sind wir nicht so ab vom Schuss. Doch wenige Wochen vor unserem Start wird auch dieser Plan zu Nichte gemacht. Ich finde eher zufällig heraus, dass es die Strecke bei den Unwettern im Frühjahr übel erwischt hat. An vielen Stellen ist der Trail aktuell nicht passierbar ist. Bye bye, Muellerthal.

Meine Lust auf weitere Recherchearbeiten schwindet. Ich bin kurz davor, das Wanderabenteuer zu canceln. Dann fliegen wir eben irgendwo in die Sonne. Noch ein Wochenende gebe ich mir, um eine Alternative zu recherchieren. Wenn das nicht gelingt, wandern wir eben ein anderes Mal.

Wegfindung, Hex, Hex

Ich klicke mich durch Premium-Wanderwege, Blogs und Ranglisten und treffe, nachdem der Schluchtensteig im Schwarzwald wegen zu langer Anreise rausgefallen ist und mich auch der Soonwaldsteig nicht zu 100% überzeugt hat, einen Entschluss. Ich werde den in letzter Zeit wachsenden Harz-Schwärmereien zahlreicher Wanderblogger genauer auf den Grund gehen.

Alles spricht für den Harzer Hexenstieg. Er liegt grob auf der Hälfte zwischen Rheinland und Hamburg und scheint mit ca. 100 Kilometern auf sechs Etappen verteilt bestens als gemeinsames Startprojekt geeignet zu sein. So sei es denn. Jetzt muss ich nur noch meine Freundin überzeugen.

Sie ist inzwischen an einem Punkt angelangt, an dem ihr eigentlich alles egal ist und sie keine Erwartungen mehr hat. Nach großer Begeisterung für den Malerweg hatte ich sie gerade so von Luxemburg überzeugen können, nur um kurz darauf auch das zu canceln. „Du machst das schon“, lautet ihr Fazit. Im Stress ihrer Meisterprüfung ist sie bereit, sich auf alles einzulassen, solange ich die Planung auf mich nehme. Der Elan, neben der Paukerei den Trip aktiv mitzugestalten, fehlt.

Ich telefoniere spontan mit Romy von Etappen Wandern, die in letzter Zeit so häufig im Harz war, dass ich gar nicht glauben kann, dass sie den Hexenstieg noch nicht gemacht hat. Sie schwärmt bei unserem Gespräch so überzeugend vom Harz, dass ich am liebsten gleich los möchte. Einen Tipp für gutes Kartenmaterial hat sie ebenfalls, aus Papier, wohlgemerkt.

Das ist eine absolute Weltpremiere – ich besaß noch nie eine Wanderkarte. Wie gut, dass ich mit Julie jemanden dabei haben werde, der die Dinger auch lesen kann. Ich gehöre selbst eher zu der Fraktion, die so lange auf Google Maps rumklickt, bis die Karte sich so dreht, dass vor mir wirklich vor mir ist.

Unterschlüpfen

Ich recherchiere den Rest des Wochenendes Unterkünfte, orientiere mich dabei an der Liste von Harzer Hexenstieg (an dieser Stelle vielen Dank), checke Booking und HRS in Kombination mit möglichen Streckenabschnitten und bin Sonntagabend tatsächlich fertig. Einzige Herausforderung ist die Gegend rund um Torfhaus. Leider ist The Cabin schon belegt, hier wäre ich zu gern geblieben. So drücke ich uns die Daumen, dass das dortige Schullandheim auch Wanderer mit Abitur in der Tasche aufnimmt. Zwei Tage später ist die Bestätigung da. Unsere Route steht.

Nur was das Ziel des letzten Tages anbelangt, schwanke ich noch. Bei Instagram bin ich zufällig über Quedlinburg gestolpert, das es mir mit seinem bunten Fachwerk sehr angetan hat. Es ist nur ungünstig gelegen, weil Julie ihr Auto in Osterode abholen muss und gleichzeitig von einem Tag in zivil träumt. Quedlinburg ist jedoch direkt hinter Thale, so dass es ziemlich bekloppt wäre, drei Stunden mit der Bahn zurück nach Osterode zu fahren, dort ins Auto zu steigen, um dann anderthalb Stunden zurück nach Quedlinburg zu heizen und quasi nichts mehr vom Tag zu haben. Alternativ gäbe es Goslar, das mehr oder weniger auf der Hälfte zwischen Osterode und Thale liegt.

Sicherheitshalber reserviere ich uns ein Zimmer in Quedlinburg. Stornieren kann ich es bis zum Anreisetag. Bis dahin wissen wir hoffentlich, was wir wollen.

Packen wie Speedy Gonzales

Am Wochenende vor unserem Trip fehlt mir die Lust zu packen. Ich laufe stattdessen samstags bei einem Womens Run fünf Kilometer durch die pralle Sonne und spaziere Sonntags 14 km mit einer Freundin durch das sommerliche Hamburg. Die Quittung ist ein herrlicher Muskelkater, aber leider kein fertiger Rucksack. Montags arbeite ich noch regulär bis halb sieben abends (auch das hatte ich mir anders vorgestellt), so dass zum Packen nur der Rest des Abends bleibt.

Wie gut, dass dies nicht mein erstes Mal ist. Ich kann auf eine bewährte Packliste zurückgreifen, denn mal ehrlich: man braucht für eine Fernwanderung immer genau das Gleiche. Ob man sechs oder sechsunddreißig Tage unterwegs ist, macht da eigentlich keinen Unterschied.

Um 22 Uhr bin ich durch. Der Hexenstieg kann kommen. Ein letztes Telefonat mit Julie, die, den Konditormeister inzwischen glorreich in der Tasche, ebenfalls schon ganz aufgeregt ist. Wir sprechen ein letztes Mal das Gepäck durch. Sie liegt bei grandiosen siebeneinhalb Kilo, ich bei knapp neun (so wenig hatte ich noch nie). Beide haben wir richtige Wanderschuhe und auf mein Anraten Stöcke dabei. Anders als ich hat sie noch eine Tasche mit normalen Sachen im Auto. Das verkneife ich mir. Der Aufwand, mit Rucksack plus Köfferchen anzureisen, nur um am letzten Tag in normalen Klamotten unterwegs sein zu können, ist es mir nicht wert.

Ich kenne jedes Dorf in Niedersachsen

79b91949-58dd-49b5-bef0-d37e13947018So schwinge ich mich am Dienstagmittag in Hamburg in den Zug, um viereinhalb Stunden, drei Umstiege, zwei Nervenzusammenbrüche und einen Sprint später im prasselnden Regen Osterrodes auszusteigen. Die Bahn hat bei der Streckenplanung mal wieder alles gegeben und gewährt mir luxuriöse Umsteigezeitfenster von fünf bis zehn Minuten. Das Adrenalin ist im Preis mitinbegriffen.

Adrenalinschübe bekomme ich jedoch bereits zuvor, denn mit mir fahren heute Kreti und Pleti Bahn. Es wimmelt nur so von Menschen, die dieses Fortbewegungsmittel offensichtlich eher selten nutzen und bei der Gepäckunterbringung, Sitzplatzsuche und Geruchsbelästigung (Mettbrötchen lässt grüßen) neue Wege gehen.

Selbst die Schaffnerin kommt an ihre Grenzen, als sie kindergartengerecht kundtut, dass Gepäckstücke in den Türen nichts verloren hätten (Stichwort „Fluchtweg“) und dass Sitzplatzreservierungen eben nur für einen ganz bestimmten Sitzplatz gelten.

img_9468In Hannover bin ich bereits völlig bedient, doch das interessiert niemanden. Der Regen plätschert weiter fröhlich vor sich hin, als ich umsteige. Bestes Wanderwetter.

Um mein persönliches Unterhaltungslevel noch ein wenig zu steigern, hat die Regionalbahn nach Kreiensen (wer kennt es nicht, Teil 1) Verspätung. Bei sechs Minuten Umsteigezeit insgesamt ist das ein echtes Happening.

In Kreiensen soll ich laut Plan von Gleis 3 zu Gleis 52 und nein, es handelt sich weder um einen Fehler noch um einen Witz: Gleis 52 ist auf der anderen Straßenseite des Bahnhofs, was uns alle zu einem kleinen Sprint bewegt.

Jeder hat sein Päckchen zu tragen, auch heute

Ich kann an dieser Stelle verraten, dass Wanderschuhe nicht umsonst Wander- und nicht Sprintschuhe heißen. Sie eigenen sich nicht für schnelle Kurzstrecken. Irgendwie schaffen es mein Rucksack und ich trotzdem in den Ein-Waggon-Zug und fahren wenig später durch die niedersächsische Walachei gen Seesen (wer kennt es nicht, Teil 2).

Dort soll ich in fünf Minuten von Gleis 2 zu Gleis 4. Wir haben sechs Minuten Verspätung. Finde den Fehler. Überraschenderweise bleibt mir sogar noch Zeit für eine Zigarette, denn Gleis 2 und 4 befinden sich am selben Steg, und auch dieser Zug hat netterweise Verspätung. Läuft bei mir – sag ich ja immer. Während die Tropfen an mein Fenster schlagen, klagt Julie über Stau und schlechte Sichtverhältnisse auf der Autobahn. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Das gilt nicht erst ab morgen.

Einmarsch in Osterode

Am Bahnhof in Osterrode angekommen, klatscht der Regen weiter ambitioniert gen Boden. Ich habe keinen Schimmer, wo ich hin muss und will mich erst einmal sortieren. So teile ich mir die einzige Unterstellmöglichkeit, Marke Bushaltestellenhäuschen, mit zehn Familienmitgliedern einer südosteuropäischen Großsippe samt Gepäck.

Die Stimmung ist ausgelassen und irgendwie schaffen wir es alle, halbwegs trocken zu bleiben. Geht doch. Dann hört der Regen auf, und wir gehen. Meinem triumphalen Einzug hinein nach Osterode steht nichts mehr im Wege.

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Es geht durch einen Park, in dem ich bereits das erste Markierungsschild für den Hexen-Stieg finde. Vorbei an einem großen Norma und verschiedenen Fachwerkhäuschen nähere ich mich trittsicher, das richtigrum gedrehte Google vor der Nase, meiner Unterkunft.

Vor mir laufen zwei Damen mittleren Alters mit Rucksäcken. Ich möchte schwören, dass sie wie wir den Hexenstieg machen werden und vermutlich im selben Hotel untergebracht sein werden. Volltreffer.

Zehn Minuten später sind wir da. Ich werde freundlich vom Herrn an der Rezeption begrüßt, der sichtlich erfreut ist, eine weitere Wanderin vor sich zu haben. Er versichert mir, dass das Wetter morgen besser wird. Er soll sich täuschen. Unser Zimmer sieht genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Funktionale Einrichtung Marke rustikale Eiche, typisches, leicht in die Jahre gekommenes Landhotel, aber sauber, geräumig und gut gelegen. Ich bin zufrieden.

Julie schlägt eine Stunde nach mir auf. Ich verwandle sie noch schnell mit Hilfe des mitgebrachten Partyhütchens in ein Geburtstagskind und überreiche mein Geschenk. Wir haben uns schon wieder viel zu lange nicht gesehen, und so lungern wir die nächste Stunde quatschend auf den Betten rum.

Flotter Dreier vor Fachwerk-Kulisse

Der Hunger meldet sich zu Wort. Der Nieselregen hält an. Wir geben die Hoffnung, vielleicht trockenen Fußes in ein Restaurant zu kommen, auf. Außerdem wollen wir einen Blick auf den Ort werfen, bevor es dunkel wird. Ich beneide meine Freundin um ihre normalen Klamotten. Neben ihr fühle ich mich in meinen Wandersachen ein wenig wunderlich. Gut, dass sich das morgen ändert, wenn wir dann beide in Outdoor-Kluft unterwegs sein werden.Rinne Passage am Kornmarkt in Osterrode, Ausganspunkt des Harzer Hexen-Stiegs

img_9473Am Kornmarkt mit seinen bunten Fachwerkhäuschen amüsieren wir uns königlich über eine Statue, die drei rundliche Damen auf sehr dünnen Beinen beim Klönen zeigt. Wir wollen Fotos machen, doch leider verschandeln mehrere Müllbeutel mein Bild.

Ich bemängele gerade den Anblick, als aus dem Nichts eine Dame auftaucht, sich entschuldigt und den Müll beiseite räumt. Hoppla. Manchmal sollte man vielleicht nicht ganz so laut meckern. Das war mir dann jetzt doch ein wenig peinlich.img_9476

Wir bewundern die Rinne Passage, die mit dem Aufenthalt Heinrich Heines prahlt, werfen aber nur einen kurzen Blick hinein. Der Hunger treibt uns weiter. Einige Restaurants, an denen wir vorbei kommen, sind geschlossen. Sommerferien haben eben auch ihre Nachteile.

An der Kirche St. Aegidien schlendern wir vorbei und entdecken eine alte Apotheke, die aussieht, als könne man dort nicht bloß Heil- sondern auch Zaubermittel erwerben. Wie passend, so kurz vor unserem Showdown mit den Hexen. Wir halten uns für bestens ausgestattet und sehen von weiteren Käufen ab.

Nun ist es nicht mehr weit zum Restaurant „Der Grieche“. Hier hat sich jemand bei der Namenswahl richtig Mühe gegeben, denn bei Der Grieche handelt es sich tatsächlich NICHT um eine Pizzeria.

Griechische Tragödie

Das Restaurant ist gut gefüllt, so dass wir uns schnell einig sind, zu bleiben. Es wird schon seinen Grund haben, dass hier so viel los ist. Wir haben auch wirklich keine Lust mehr, bei zunehmendem Regen weiterzusuchen.

Drinnen erwartet uns ein interessanter Klangteppich. Am Nebentisch hat sich eine gemischte Gruppe aus Asiaten und Ortsansässigen zusammengefunden und parliert mit Händen, Füßen und Englisch. Die Reizüberflutung wird ergänzt um griechische Dekoration vom Feinsten. Marmor-Imitat wohin das Auge sieht, Säulen und Bögen und an den wenigen, freien Stellen dezente Wandmalerei. Viel hilft viel.

Das Essen ist leider maximal mittelmäßig. Mein Gyros ist trocken, das Bifteki nicht ganz gar und auf meine Nachfrage nach etwas Tsatsiki bekomme ich gleich die ganze Vorspeise serviert. Diese wird später zum vollen Vorspeisenpreis abkassiert. Gleiches gilt für den Ouzo, nach dem wir gefragt werden. Auch er steht später auf der Rechnung.

Das ist alles kein Drama, aber eben jetzt auch nicht so, dass ich es unbedingt empfehlen würde. Dafür haben wir aber immerhin lange etwas von unserem Essen, denn der Knoblauchgeschmack bleibt bis zum folgenden Mittag unser ständiger Wegbeleiter.

Abendausklang

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Als wir das Restaurant verlassen, hat der Regen endlich aufgehört, und wir schlendern noch einmal in Ruhe durch die schnuckeligen Gassen und über den Kornmarkt, bevor wir uns entlang des kleinen Flusses Söse auf unser Zimmer zurückziehen.

Pünktlich zur zweiten Halbzeit liegen wir in Position vor dem Fernseher, schließlich ist WM. Dass es mir mal passieren würde, in Julies Beisein Fußball zu schauen, hätte ich auch nicht gedacht. Sonst erklärter Fußballgegner, erduldet sie meine Begeisterung, solidarisiert sich mit den Franzosen (familiäre Vorbelastung) und feiert deren Sieg gegen Belgien.

Kurz danach geht auch schon unser Licht aus. Morgen erwartet uns die erste und gleichzeitig längste Etappe des ganzen Weges. Der Wecker steht auf sieben. Das ist Urlaub!

Wanderetappen & Unterkünfte

Für die von euch, die sich nicht durch die in den nächsten Wochen folgenden Einzeletappen lesen möchten, sondern einfach nur wissen wollen, wie wir uns die Strecke eingeteilt und wo wir übernachtet haben, kommt hier die Übersicht.

[Werbung] Ich hatte weder Kooperationen mit den Hotels, noch wussten sie, dass sie eine Bloggerin beherbergten. Manch eines hätte sich vielleicht sogar gewünscht, wir wären woanders abgestiegen, denn das Urteil wird nicht überall glorreich ausfallen. Wenn ihr auf die Links klickt, bekomme ich weder Provision noch sonst etwas – ihr landet einfach auf der Seite der Unterkunft und könnt dort ebenfalls nächtigen. Ob das eine gute Idee ist, erfahrt ihr in den nächsten Wochen.

Das Internetgesetz will aber, dass ich solche Verlinkungen als Werbung kennzeichne. Dem komme ich hiermit nach. Also Achtung: hier nun die besagte Werbung:

  1. Anreisetag: Osterode – Hotel Harzer Hof
  2. Osterode – Altenau (23 Kilometer [das denken wir zumindest, es werden mehr als 25]) – B&B De Orchidee
  3. Altenau – Torfhaus (15 Kilometer) – Schullandheim Torfhaus
  4. Torfhaus – Drei Annen Hohne (19 Kilometer, gefühlt 25) – Hotel der Kräuterhof
  5. Drei Annen Hohne – Rübeland (17 Kilometer) – Harzbaude Susanne
  6. Rübeland – Treseburg (19 Kilometer, gefühlt 23) – Hotel zur Luppbode
  7. Treseburg – Thale (11 Kilometer) und anschließend mit dem Zug nach Quedlinburg – Hotel Zur goldenen Sonne
  8. Abreisetag

 

Kommentare und Feedback

Bist du selbst den Harzer Hexen-Stieg gelaufen oder hast du es vor? Wieso ist deine Wahl auf dieses Stück Weg gefallen und wie hat es dir gefallen? In wievielen Etappen bist du gelaufen und hast du Übernachtungstipps? Wie hat es dir gefallen?

Ich freue mich wie immer über deine Rückmeldung.

Ich muss das weitersagen
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22 Gedanken zu „Und hämisch hört man es kichern – 6 Tage Harzer Hexen-Stieg&8220;

  1. Da bin ich ja mal gespannt wie es bei euch beiden klappt, wenn ein Wanderprofi und eine neu-Wanderin zusammen laufen. Ich wollte das ja bei unserem C2C-Beitrag nicht so schreiben, aber eine unserer Mitwanderinnen hat sich als keifender Moralapostel entpuppt, weil die vierte langsamer gelaufen ist als wir drei und die selbsternannte Anwältin der Langsamen ständig sauer auf mich war, weil ich nicht immer auf alle gewartet habe. Ich wäre fast verrückt geworden und bin auf den Etappen wie ein Hund vor und zurück gelaufen. Sowas kann echt Freundschaften kosten! (Ich hoffe, nicht bei euch … 🙂 )

    1. Das klingt aber nach mächtig Stress und genauso war es in meiner schlimmsten Vorstellung.
      Bei uns ist es tatsächlich erstaunlich glatt gelaufen. Wir hatten ein erstaunlich ähnliches Tempo und ich war wirklich beeindruckt von Julies Kondition aus dem Stegreif. Wobei sie mich am Ende von Tag Eins auch ganz schön verflucht hat, weil es 26 km wurden. Da dachte sie, wenn das jeden Tag so wird, ist sie raus 😂😂
      Wurde ab dann aber besser.
      Und es war großartig, sich immer, wenn die Beschilderung schlecht war und wir mal wieder umdrehen mussten, jemanden zu haben, der mindestens genauso angenervt ist. Geteilter Frust ist halber Frust oder so ähnlich

  2. Dein trockener Humor ist so cool!! („Wer kennt es nicht…“)
    Dazu habe ich auch eine Anekdote: 2002 habe ich mit meiner damaligen achten Schulklasse eine Klassenfahrt nach Mecklenburg-Vorpommern gemacht. Mit dem IC ging es nach Berlin, dort Umstieg in den Regionalzug nach Waren an der Müritz und dort mit einem Schienenbus weiter nach Malchow.
    Als wir in Waren a.d.M. aus dem Zug stolperten und der wieder abgefahren war, war unsere Gruppe die einzigen Menschen am ganzen Bahnhof. Die heruntergekommenen Gebäude waren für uns Wessies total ungewohnt, die Bahnsteige waren total uneben, mit den kleinem Kopfsteinen gepflastert und es herrschte gähnende Leere ringsumher. Plötzlich fuhr eine Dampflok an uns vorbei. Ein Schüler sagte daraufhin ganz trocken: „Jo, hier wollte ich immer schon mal hin!“ Der Brüller und von da an der Running Gag.

    1. 🙂 Ich kann es mir vorstellen. So in etwa ging es mir tatsächlich auch, allerdings in Niedersachsen.
      Die verlassene Bahnhofe erwartete uns dann in Quedlinburg. Das war echt spooky – dabei ist das Städtchen selbst so großartig!

  3. Schön, dass jetzt der Hexenstieg an der Reihe ist – ich freu mich auf die nächsten zwei Monate! Nun bin ich den Hexenstieg ja doch mittlerweile gewandert, wenn auch unter ganz anderen Bedingungen. Es wird spannend zu sehen, wie meine Winterimpressionen zu deinen Sommererfahrungen passen, oder auch nicht.

    Liebe Grüße
    Romy

    1. Absolut. Auf deinen Bericht freue ich mich auch schon.
      Dann können wir danach ja einen Gemeinschaftsartikel machen – Sommer oder Winter, was sind die Vor- und Nachteile 🙂

  4. Da bin ich mal gespannt auf die texte die folgen werden, denn meine Frau und ich wollen den Hexenstieg auch bald mal laufen… die Unterkünfte hab ich mir auch schon mal angeschaut, sind aber leider ganz schön teuer finde ich. Alles nicht ganz so einfach mit Schlafplätzen auf dem Weg. Würde mir wünschen das es mehr von „einfachen“ Unterkünften gäbe, wie Matratzenlager oder Heulager o.ä.

    1. Hallo Roy, da hast du Recht. Was halbwegs günstig war, war das Landschulheim und De Orchidee. Ansonsten zahlt man leider Hotelpreise.
      Ich habe schon damals beim Rheinsteig gedacht, dass Fernwandern in Deutschland ganz schön teuer ist, verglichen mit meinen Jakobswegen. Und ich persönlich habe wenig Lust, ein Zelt über den Weg zu schleppen.
      Der Weg ist es aber definitiv wert. Ich hoffe, ich kriege es in den nächsten Wochen halbwegs transportiert. Habe blöderweise damals kein Tagebuch geschrieben 🙁

  5. Bist du immer noch von Google Maps als Wanderkartenersatz überzeugt, Audrey?
    Ich halte es im Outback für völlig ungeeignet.
    Daher noch einmal mein absoluter Tipp, ja fast ein Geheimtipp: „Windy Maps“ !
    Mit genialen Wanderkarten worldwide für die Offline-Navi. Kostenlos.
    Checkt es aus, Leute.
    LG R

    1. Auf dem Camino del Norte hatte ich meinen Weg über my maps als Offline-Variante. Das war super. Windy Maps hatte ich mir damals kurz angeschaut, hab es aber nicht ganz gecheckt.
      Ich bin eigentlich Fan von guten Wegmarkierungen 😉

      1. Ja, ja, Wegmarkierungen… die fehlen ja, wenn man vom Weg abkommt. Und sie sind übersehbar, auch mit dem Vier-Augen-Prinzip. 🙂
        Im Ernst – ich halte es so: ich gebe neuen Dingen IMMER drei mal die Chance. 😉

  6. Ich musste kurz mal lachen als ich las „Wie gut, dass dies nicht mein erstes Mal ist. Ich kann auf eine bewährte Packliste zurückgreifen“ Genau das gleiche hab ich letztes Wochenende auch gedacht als ich anfing für meine nächsten Etappen am Thames Path zu packen. Und egal ob Herbst oder März – man braucht genau das gleiche. Blöderweise hab ich zum Abschluss meines Urlaubs ein Theaterticket gebucht – hab aber beschlossen, dass ich feinere Klamotten für obenrum vorher kaufe. Ich seh mich schon a la Shopping Queen durch Bath und London rennen *lach*

    Dann bin ich mal gespannt was ihr mit den Hexen so erlebt! Die Vorbereitung selbst war ja schon spannend!

  7. Bin schon auf die einzelnen Etappen gespannt. Über wie viele Abenteuer werde ich da zu lesen haben, wenn bereits der Prolog mit der Anreise so unterhaltsam und spannend ist. Da erwartet mich eine Menge an Lesestoff.
    Übrigens möchte ein Bekannter von mir den Weg in diesem Jahr gehen (stichwort: „überlaufen“). (Weit-)wandern ist nun einmal in den letzten Jahren ganz groß in Mode gekommen, das sieht man auch an der zunehmenden Zahl der Alpenüberquerungen oder auch der Jakobspilger.. Veilleicht wird man sich in Zukunft Nischen suchen müssen, um noch einigermaßen Ruhe auf den Wegen zu haben.
    Dir wünsche ich, dass die Auswahl des nächsten Wanderweges unkomplizierter vonstatten geht, als diesmal.

    1. Hallo Bernsicht,
      schön, dass du hergefunden hast und danke für deine Nachricht. Dann hoffe ich mal, dass du in den nächsten Etappen Spannung und Unterhaltung findest 🙂
      Der Hexenstieg ist wahrlich nicht überlaufen. Wir waren bei schönstem Wetter in den Sommerferien dort und haben dennoch fast keine Weitwanderer getroffen. Ich finde es großartig, dass sich da zunehmend Leute für begeistern. Ich bin über verschiedene Jakobswegen dazu gekommen und habe bei meinen Wanderungen in Deutschland wirklich Gesellschaft vermisst. Ich begrüße es daher wirklich, wenn ein paar mehr Leute sich in Bewegung setzen.
      Die Auswahl des nächsten Weges wird übrigens unkompliziert – ich setze meinen Camino del Norte ab Santander fort. Bis dahin bin ich im Herbst gekommen und im Frühling geht es weiter.
      Viele Grüße, Audrey

      1. Schöner Schreibtil, was amn ja nicht von jedem Blog sagen kann.

        Zwei Anmerkungen:

        @Muellerthal: Ganz tolle Gegend, angenehme Leute, sehr empfehlenswert. War ein schönes Wanderziel während meines Studiums in Trier.

        @Einsamen Wanderstrecken: Wer wirklich keine überfüllten Wanderwege will, der sollte den Pfälzer Waldpfad laufen. Bevor man in die Gegend des Dahner Felsenlandes kommt, ist dort wirklich Ruhe: Auf der 23 km Etappe von Merzalben nach Hauenstein unter der Woche habe ich einen (in Worten: einen) Menschen getroffen und zwar auf dem Luitpoldturm.

        1. Der Mullerthal-Trail wäre für mich absoluter Kindheits-Backflash. Ich habe mit meinen Eltern zu Grundschulzeiten Urlaub in Echternacherbrück gemacht und wir waren häufiger wandern, wenn auch immer nur für ein paar Stunden.
          Aus den Zeiten erinnere ich mich auch noch gut an Trier. Dort bin ich im Herbst 2017 noch mal gewesen. Es war ja der Zielort meines Mosel-Caminos. Da kam einiges an Erinnerungen hoch.
          Und danke für die Schreibstil-Blumen 🙂
          Happy Day,
          Audrey

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