V (Mosel-Camino) – Von Traben-Trarbach nach Klausen

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Tag 5 auf dem Mosel-Camino: Völkerwanderungen nach Comic-City, Ausschauhalten nach Eis, Blick nach vorn und keine Ruhe nach neun. (25.09.2017 – 25 km)

Trotz oder wegen der Oropax hatte ich eine sehr unruhige Nacht mit absolut wirren Träumen, die ich an dieser Stelle zu unser aller Wohl nicht vertiefen möchte. Meine Zimmernachbarin spielte zwar keine tragende Rolle, lieferte aber mit Sicherheit die passende Geräuschkulisse.

Premium-Frühstück

Wir frühstücken zu dritt mit Frau Böcking, und die Auswahl auf dem Tisch ist tatsächlich hervorragend. Von selbstgemachten Marmeladen, Bärlauchpesto über Avocado, Mozzarella und Tomaten hin zu frischem Brot. Der Blog hat nicht zu viel versprochen. By the way – hier können natürlich auch Nicht-Pilger unterkommen, zum Beispiel nach Besuch des angeblich legendären Traben-Trarbacher Weihnachtsmarktes. Wer sich den anschauen möchte, wäre danach sicher bestens in der Alten Lateinschule aufgehoben.

Zurück zum Pilgern. Heute geht es nach Klausen, früher der wichtigste Wallfahrtsort zwischen Trier und Koblenz und auf dem ganzen Mosel-Camino der einzige mit einer „richtigen“ Pilgerherberge. 25 Kilometer liegen zwischen uns. Erste Station heute ist Bernkastel-Kues, einer der Lieblingsorte meiner Patentante, ihres Zeichens Mosel-Expertin, die mich in den letzten Tagen immer wieder überrascht hat, weil sie mir per WhatsApp Hinweise auf nette oder weniger nette Orte geben konnte, die ein oder andere Geschichte rund um den Ort wusste, und die eben immer schon sehr von Bernkastel geschwärmt hat. Ich war noch nie da, aber der Namen ist mir ihretwegen ein Begriff. Wie schade, dass ich hier nur Zwischenstation mache. Nicht nur, dass der Ort total hübsch sein soll, ich hätte dort auch eine 1a Übernachtungsmöglichkeit in Anspruch nehmen können.

Im Forum der Mosel-Camino-Seite habe ich nämlich den Eintrag von Olli gefunden, der, selbst frisch vom Camino Francés zurück, nun in seinem Heimatort sein Gästezimmer gegen Spende anderen Pilgern anbietet. Das wäre natürlich auch was gewesen – mit einem „Camigo“ über letztes und dieses Jahr quatschen. Ist jetzt aber wohl etwas spontan. Außerdem will ich ja nach Klausen.

Auf dem Weg nach Comic-City

Während man mit dem Auto von Traben-Trarbach nach Bernkastel mindestens 20 Kilometer zurück legt, ist es zu Fuß quasi ein Katzensprung von gerade mal gut sieben Kilometer, weil man eben Luftlinie läuft (natürlich wie immer ordentlich auf und ab – ist klar, oder?).

Um zehn geht es bestens gestärkt und noch besser gelaunt auf den Weg, nachdem Frau Böcking noch ein Foto von mir geschossen hat. Sie macht ein Foto von jedem Pilger, der hier war und sammelt somit Pilger-Fotos, so wie wir Pilger Stempel sammeln – das ist mal ein ordentliches Quid pro Quo. An ihrer Wand hängen hunderte Bilder von Menschen, die hier übernachtet haben.

Mosel-Camino: Rückblick auf Kirche und Lateinschule von Traben-TrarbachWhat goes up must come down, und so führt mein Weg natürlich erst mal von meiner erhöhten Position neben der Kirche runter in den Ort, den ich schon bald nach rechts in die Weinberge verlasse. Ein letzter Blick auf meine Unterkunft, die schon ein gutes Stück entfernt liegt.

Vielleicht sehen mich meine beiden Frühstücksgenossinnen ja ebenfalls als kleinen, blauen Punkt. Die Hausherrin hat beim Frühstück schmunzelnd erzählt, dass sie vom Fenster aus häufiger ihre Gäste laufen sieht, bzw. sieht, wie sie sich mühsam den Anstieg hoch schleppen.

img_7660Wie an allen Tagen zuvor liegt der Morgen im Nebel, und wie jedes Mal bewundere ich die filigranen Spinnennetze, in denen kleine Tautropfen glitzern. Nach einer knappen Stunde bin ich am Bauprojekt Hochmoselübergang und kann gar nicht glauben, wie unfassbar viele Spaziergänger meinen Weg kreuzen. Die Strecke scheint sehr beliebt zu sein, denn bis nach Bernkastel sind es bestimmt 30 Leute. Ich komme aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus.

Gleich hinter dem Hochmoselübergang mache ich neben einer Koppel Pause und beobachte, wie die Sonne den Nebel vertreibt. Eine halbe Stunde später liegen zwischen Bernkastel und mir nur noch ein paar Rebstöcke und ganz viel strahlend blauer Himmel. Einzug in Bernkastel auf dem Mosel-CaminoUm kurz vor 12 bin ich da und verliebe mich Knall auf Fall in das pittoreske Fleckchen Erde mit seinen Fachwerkhäusern und dem Kopfsteinpflaster.img_7667

Tante Tiny hat nicht zu viel versprochen. Als ich auf dem Marktplatz ankomme, kriege ich fast Schnappatmung. Ein kleines, schiefes Fachwerkhäuschen lehnt sich an das nächste. Das ist echt Deutschland aus dem Bilderbuch, Comic City, raunt ein Amerikaner neben mir.

Ich fotografiere den Markt von allen Seiten. Die schiefen Häuschen sind herzallerliebst. Hier finde ich auch eine Apotheke, um mir neues Nasenspray zu besorgen. Amüsiert lese ich die Lebensweisheiten, die Carpe Diem in eine ganz neue Form gießen. Ich könnte hier problemlos noch ein paar Stunden zubringen, doch so viel Zeit habe ich nicht. Ich verzichte darauf, die Burgruine zu besichtigen. Burgen müssen bis zum Rhein warten.

Als ich den Ort wenig später schon wieder verlassen mussimg_7669, bin ich geradezu wehmütig. img_7670Ich komme wieder, das entscheide ich an Ort und Stelle und zwar auf dem Rückweg von Trier nach Bonn. Zeit genug habe ich ja und wer hat eigentlich behauptet, dass ich einen längeren Aufenthalt von zwei Tagen in Trier machen werde?

Ich kehre zurück nach Bernkastel und kann mich diesmal vor allem auch frühzeitig bei Pilger-Oli ankündigen und auf diese Weise vielleicht doch noch die Übernachtung in seinem Gästezimmer in Anspruch nehmen. Mit dem Wissen im Hinterkopf fällt der Abschied gleich leichter.

Auf der anderen Moselseite in Kues gibt es am Ende der Brücke ein Café. Ich setze mich in die Sonne und genieße bei einem Milchkaffee den Blick auf Bernkastel, die Burg und den Hunsrück. Hier rufe ich außerdem auf Anraten von Frau Böcking in der Pilgerunterkunft in Klausen an. Sie hat mir erzählt, dass sich die Betreiber des Dorfladens um die Unterbringung kümmern und ist sich nicht sicher, wie lange der Laden auf hat. Bis Klausen ist es ja doch ein schönes Stück.

Codewort Peregrino

Einmal mehr habe ich richtig Glück. Die nette junge Frau am Telefon verrät mir, dass der Laden montags nur bis mittags geöffnet hat, was aber kein Problem sei. Hätte ich nicht angerufen, hätte ich mir die Unterkunft allerdingss klemmen können. So erklärt sie mir, dass ich die Schlüssel in einem Tresor außen am Haus vorfinden werde. Sie ruft mich extra noch einmal zurück, um den Code, den sie mir durchgegeben hat, zu bestätigen.

Jetzt bin ich also völlig unabhängig. Ich komme, egal wie spät ich mein Ziel erreiche, definitiv in die Unterkunft. Außer mir habe sich niemand angemeldet, erfahre ich noch am Telefon. Es ist gut möglich, um nicht zu sagen höchst wahrscheinlich, dass ich das ganze Reich für mich allein haben werde.

Die Schönheit der Langeweile

Verschiedensten Quellen zufolge erwartet mich nun das langweiligste Stück des ganzen Caminos. Es geht dabei fünf Kilometer lang stumpf an der Mosel entlang auf dem Radweg bis nach Lieser. Ich persönlich muss zugeben, dass ich gar nicht weiß, was die anderen haben: Moselradweg klingt für mich nach einwandfreiem, trittsicherem Untergrund, und das finde ich nach dem ganzen Balancieren auf Schiefer eine mehr als willkommene Abwechslung. Schnell noch die Wanderstiefel gegen meine Joggingschuhe getauscht und schon stiefele stiefellos los.

img_7675Ist das herrlich. Man hat das Gefühl zu fliegen, so leicht sind die Treter. Ich mache ordentlich Meter immer an der Mosel entlang, und anders als meinen „Vorgängern“ (sorry, heute ist Tag der schlechten Wortwitze) gefällt mir das Stück total gut. Vorbei am Geburtshaus des Philosophen und Theologen Nicolaus von Kues (Cusanus), geht es entlang eines kleinen Hafens, und dann weiter, an einem Campingplatz vorbei, wieder direkt an die Mosel.

In beide Richtungen fahren Unmengen von Fahrradfahrer, die hauptsächlich auf E-Bikes unterwegs sind, die aber in der Regel zivilisiert fahren und sogar freundlich Hallo sagen.

Einmal Bond-Girl

Um halb zwei bin ich nach einer weiteren Pause am Lieser Schloss, das in der Sonne liegt und mich an einen englischen Landsitz mit Potenzial für eine James-Bond-Kulisse erinnert. img_7676Ich tausche meine Schuhe wieder gegen die Wanderstiefel ein, zippe meine Hose auf kurz und laufe wie gestern nur mit Top weiter. Was für ein Traumwetter! Und das wirklich jeden einzelnen Tag. Dabei hat es einen Tag vor meinem Start noch heftig geregnet. Man muss auch mal Glück haben.

Die Überlegung, den Rheinsteig zu canceln, weil es mir hier insgesamt zu einsam ist, ist heute hinfällig. Gestern habe ich das noch durchaus in Erwägung gezogen. Ich bin inzwischen total im Flow, und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn ich mir die Chance auf eine weitere Wanderung entgehen lassen würde.

Siesta in Monzel

Ich laufe noch ein bisschen auf Höhe der Mosel weiter, dann biegt der Weg urplötzlich vor einer Autobahnbrücke nach rechts ab. Es geht durch eine Unterführung den nächsten Berg hoch und durch Weinstöcke, Wälder und Felder in Richtung Monzel. Ich fantasiere von Eis oder Limonade, irgendeine Art von Zucker eben, und nehme mir schwer vor, dieses Bedürfnis in Monzel zu erfüllen.

Als ich ankomme, ist der Ort wie ausgestorben. Ich sehe keine Menschenseele und auch Autos sind keine unterwegs. Fühlt sich ein bisschen wie auf dem Camino in Spanien an, wo man auch immer am frühen Nachmittag bei Hitze in so Geisterstädten ankam. Monzel macht offensichtlich ebenfalls Siesta. Das Eis kann ich mir abschminken, und ich sehe auch leider weder einen Supermarkt noch finde ich eine Bank oder einen Geldautomaten. Ich ärgere mich, dass ich nicht in Bernkastel die Chance genutzt habe. Da hätte es alles gegeben.

Aber gut, nützt ja nichts. Nachdem ich der Kirche, die auf dem Weg liegt, einen Besuch abgestattet habe, erreiche ich kurz danach eine tip-top Bank bzw. Holzliege mit Blick auf das Tal. Wenn es schon kein Eis gibt, kann ich mich zumindest ein bisschen sonnen. img_7678Ich richte mich gemütlich ein, werfe eine Magnesiumtablette mit Orangengeschmack in mein Leitungswasser (ist ja auch ’ne Art Limonade) und finde noch eine Packung Schokokekse. So lässt es sich durchaus aushalten. Denkt sich auch der junge Winzer, der mit seinem Traktor an mir vorbei knattert und mir fröhlich zuwinkt.img_7679

Es ist drei Uhr, vor mir liegen noch acht Kilometer. Ich sollte also gegen fünf, halb sechs in Klausen sein. So langsam habe ich einen Rhythmus entwickelt.

Um halb acht aufstehen, um acht frühstücken, um zehn loslaufen und mit einigen Pausen gegen fünf ankommen. Schweren Herzens rapple ich mich von meiner Sonnenliege auf und werfe mir den Rucksack wieder über.

Obsttag mit Céline Dion und den Beatles

Ein weiterer steiler Anstieg wartet auf mich, wird aber von unzähligen Brombeer-Sträuchern am Straßenrand versüßt bzw. versauert. img_7680Ich nasche mich von Strauch zu Strauch, zwischendurch noch die ein oder andere Weintraube von den Weinstöcken zu meiner Linken. Heute mache ich Obsttag. Noch einmal geht es in den Wald, und ich singe gegen Müdigkeit und Wildschwein wieder einen wilden Misch aus Celine Dion, Ace of Base, Simon & Garfunkel und den Beatles. Die besten Hits der 80er, 90er, 2000er und von heute – das bin ich: eine menschliche Jukebox. Manchmal denke ich, dass es gar nicht so verkehrt ist, dass so wenig Menschen unterwegs sind, die dieses musikalische Feuerwerk bezeugen können.

Irgendwo im Nirgendwo

Ich brauche etwas länger als erwartet und komme erst gegen sechs am Fuße von Klausen an. Inzwischen ist es frisch geworden, der Wind hat so heftig geblasen, dass ich meine Windjacke anziehen musste. Die Kirche befindet sich auf dem Hügel, und ich bin mir ziemlich sicher, dass die Herberge nicht weit von der Kirche sein wird. Ein letztes Mal heißt es also Aufstieg.

Man merkt gleich, dass Klausen einst ein wichtiger Wallfahrtsort war. Es gibt neben der großen Kirche ein Kloster (jetzt ein Winzer-Hof), eine Brauerei und zwei Gasthöfe, die vermutlich früher Gästehäuser waren. Ein paar Häuser rechts von der Kirche finde ich die Pilgerherberge. Es handelt sich um ein ehemaliges Gasthaus, das nun von der Gemeinde zurückgekauft und in eine Pilgerherberge verwandelt wurde. Ich finde den kleinen Tresor, gebe die Zahlenkombination ein und halte ratzifatzi meinen Schlüssel in Händen. Irgendwie bin ich zwar zu blöd, den Tresor wieder zu versschließen, aber was soll’s. Andersrum wäre deutlich ungünstiger gewesen.

Ich mache eine kleine Besichtigung. Wie vermutet, habe ich das ganze Haus (3 Etagen) für mich allein. Der große Schlafsaal (mit den günstigsten Unterkünften) befindet sich unter dem Dach. Er verfügt über acht Betten und zwei Bäder. Ich kann mein Glück gar nicht fassen. Es ist alles so liebevoll gemacht worden und so neu. Wenn ich da an die teils doch recht abenteuerlichen, um nicht zu sagen ranzigen Absteigen in Spanien denke, liegen Welten dazwischen.

Ich dusche, kümmere mich um meine Wäsche, spanne meine Paketschnur-Wäscheleine ganz entspannt quer durch den Raum (keiner da, den es stören könnte) und mache mich auf die Suche nach etwas zu essen. Die Frau am Telefon hat mir die ortsansässige Pizzeria empfohlen und auch die Infomappe der Unterkunft (eine tolle Sache, wie ich finde) informiert über den Italiener mit dem klangvollen Namen „Der Italiener“. Großartig. Ich kann mir gerade so das Lachen verkneifen. Was für ein Glück übrigens, dass heute Montag ist – Dienstag wäre Ruhetag gewesen.

Ich laufe einmal durch den Ort (ist schnell erledigt) und rufe zum ersten Mal, seit ich unterwegs bin, meine Eltern an und texte ein bisschen mit Freunden. Als Dankeschön für so viel soziale Interaktion werde ich mit einem weiteren Sonnenuntergang belohnt. Nicht ganz so beeindruckend, wie der in Marienburg, aber trotzdem toll.img_7684 Danach kühlt es direkt merklich ab, und ich mache mich auf zur Pizzeria.

Wie immer muss ich mich kurz überwinden, alleine rein zu gehen. Ich hasse es, allein Essen zu gehen. Es gibt 100 Dinge, die ich problemlos alleine machen kann. Ins Kino gehen, tanzen gehen, mich in eine Bar setzen. Aber beim Besuch eines Restaurants alleine fühle ich mich immer total unwohl. In meinem Kopf läuft allzeit der gleiche Film, in dem alle anderen Menschen im Laden denken, dass ich eine arme Sau ohne Freunde bin oder dass sonst etwas mit mir nicht stimmt. Wirklich bescheuert. Bei meiner Wandertour wird das Ganze jetzt aber natürlich noch davon getoppt, dass ich in einem völlig unpassenden Outfit am Start bin.

Südsee-Feeling am Ende der Welt

Aber da verhungern auch keine Option ist, entere ich – Augen zu und durch – den Laden. Die Bedienung ist total nett. Ob noch jemand komme (NEIN!!!), ich könne mir den Platz aussuchen. Ich setze mich mit dem Rücken zu allen anderen (jetzt können sie sich wirklich fragen, ob mit mir was nicht stimmt) und bestelle – ist ja schließlich Obsttag – eine Pizza Hawaii, Traumpizza meiner Kindheit sowie die große Cola, die ich in Monzel nicht finden konnte. Der Laden ist gut gefüllt. Hinter mir krakelt eine Vierergruppe Mädels Ende Zwanzig über ihre Kinder und Männer, rechts von mir sitzen zwei junge Familien und diskutieren die Wahlergebnisse.

Ich habe gerade angefangen, Tagebuch zu schreiben, als mir ein Wagenrad von einer Pizza serviert wird. Ich gebe wirklich mein Bestes, aber das ist nicht zu schaffen. Umso besser – dann habe ich Wegzehrung für morgen. Die nette Bedienung packt mir das letzte Drittel wunschgemäß in Alufolie (einen Pizza-Karton bekäme ich ja gar nicht verstaut), und ich mache mich satt und zufrieden auf den Weg zurück zu meiner Unterkunft.

Kumm los mer viere

Irgendwie ist es komisch, das ganze Gebäude für mich alleine zu haben und so mache ich dann doch noch einen kleinen Kontrollgang durch die Stockwerke, um sicherzustellen, dass wirklich niemand außer mir hier ist. img_7683Oben kuschle ich mich gemütlich ein und genieße den Holzgeruch, der aus den Balken über mir kommt. Ich finde es saugemütlich für eine Pilgerunterkunft. Schade, dass ich so gar keine Begleitung habe.

Das ist das einzige, was ich vermisse. Das Laufen tut wie immer gut. ‚Der Teil aber, bei dem man sich mit anderen Leuten austauscht, bei dem Geschichten erzählt werden, große Lebensfragen miteinander gewälzt und gemeinsam gegessen, getrunken und gelacht wird, der fehlt mir massiv. Um mal richtig runter zu kommen und sich frei für etwas Neues zu machen, ist es aber vermutlich genau das Richtige.

Aus dem Gebäude nebenan erklingt Blasmusik. Vermutlich probt dort der hiesige Musikverein. Diesmal ist es nicht Sweet Caroline, sondern, wenn mich nicht alles täuscht, „Kumm los mer viere“. Ja, irgendwann ist auch wieder Karneval. Die Klausener Jecken sind auf jeden Fall vorbereitet.

Morgen möchte ich, gesetzt den Fall ich schaffe 28 km, bis nach Schweich laufen. Dann wäre ich in zwei Tagen am Mittwoch in Trier und könnte Donnerstag per Boot nach Bernkastel fahren. Habe im Netz recherchiert. Das Boot fährt nicht jeden Tag, aber Donnerstags schon. Passt also ganz hervorragend für mein Wiedersehen mit dem schnuckeligen Bernkastel.

Zeitreise

Vorschau: Du möchtest an dieser Stelle noch nicht aufhören und fragst dich, was morgen wohl wieder passiert? So viel sei gesagt: es geht eher mäßig los. Ich kämpfe mit fehlendem Bargeld und viel zu wenig Wasser, aber dann passiert die gute, alte Camino Magic und ich erlebe ein paar Wunder zu viel, um sie einfach als Zufall abzutun, auf meinem Weg von Klausen nach Schweich.

Rückwärts: Du hast verpasst, wie ich die Königsetappe gemeistert, schwarze Katzen von links, rechts, vorne und hinten gesehen und in das Schicksal einer emazipierten Gräfin eingetaucht bin? Na dann schnell mitkommen, von Marienburg nach Traben-Trarbach.

 

Kommentare und Ergänzungen

Warst du auch schon auf dem Mosel-Camino unterwegs? Wie war es für dich? Bist du ihn am Stück gelaufen oder Etappe für Etappe? Wie lange brauchst du, bis du wirklich fit bist und hast du dich schon mal auf der Durchreise in einen Ort verliebt, so dass du bei anderer Gelegenheit zurückgekehrt bist?

Ich freue mich wirklich über dein Feedback.

Ich muss das weitersagen

2 Gedanken zu „V (Mosel-Camino) – Von Traben-Trarbach nach Klausen&8220;

    1. Hallo ihr beiden, ihr seid aus unerfindlichen Gründen in meinem Spam-Ordner gelandet. Unerhört und deshalb jetzt erst gesehen. Dafür aber umso mehr gefreut. Wie war der Weihnachtsmarkt? Wart ihr schon mal auf dem in Traben-Trarbach? Dann schreibt gern mal darüber. Der wurde mir wärmstens empfohlen

Und was sagst Du?