Camino Frances #31: Von Molinaseca nach Cacabelos

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Etappe 27 auf dem Jakobsweg offeriert eine Templerburg, naive Kunst und ein Michelangelo-würdiges Fresko, jede Menge Klapperstörche, Körperkontakt mit den Beatles und Prominenz im Nachbarbett (27. Mai 2016, 24 Kilometer)

Wir verleben eine erstaunlich ruhige Nacht in unserem Drei-Personen-Palacio, aber so richtig in die Gänge komme ich heute Morgen trotzdem nicht. Marco und Thijs gehen schon mal vor, denn unten gibt es Frühstück.

Man bringe ihr Kaffee

Wenig später stehe ich mit Sack und Pack im auserkorenen Frühstücksraum, der ein bisschen dunkel ist, aber nett, mit direktem Blick auf den Fluss. Mir ist wie so häufig nicht nach Essen. Ich brauche erst mal einen Kaffee vorweg. Der Kellner lässt sich Zeit. Viel Zeit. Marco und Thijs haben English breakfast bestellt und vermutlich denkt der Kellner, es sei nett, wenn wir alle gleichzeitig versorgt werden. Ungeduldig trommle ich mit den Fingern auf dem Tisch herum, was mir einen erstaunten Blick von Marco einbringt. Ja, mein Freund, du bist nicht der einzige, der manchmal schlechte Laune hat.

Ich kläre ihn über den Sachverhalt auf und dass es nicht sein könne, dass ich nach 10 Minuten immer noch kein Koffein vor mir habe. Marco erbarmt sich und erklärt dem Kellner, dass er den Kaffee gern schon bringen kann. Ändert nichts. Mein Heißgetränk kommt zusammen mit Eiern, Speck und Bohnen. Mir dreht sich bei dem Geruch fast der Magen um. Die Begeisterung für diesen Klassiker der Inselküche habe ich nie verstehen können. Und so schnappe ich mir kommentarlos meine Tasse und stürme damit nach draußen, wo ich entnervt an einen Tisch sinke und rauche. Manchmal verwundert es mich selbst, wie zickig ich sein kann, wenn man mir vorenthält, was ich brauche.

Als ich wieder im Normalmodus bin und reingehe, sind die beiden fertig und wollen los. Ich habe die Ruhe weg und bestelle mir einen weiteren Kaffee und ein Croissant. Diesmal ist es an ihnen, auf den Tisch zu trommeln, aber das ignoriere ich geflissentlich. Sie können ja vorgehen. Machen sie aber nicht.

Bei den Templern

Wir verlassen unseren schönen Ort am Fluss und sind gegen zehn in Ponferrada mit seiner berühmten Templerburg. img_4094Das Kastel ist wirklich hübsch und gut erhalten, aber mir ist gerade nicht nach Sehenswürdigkeitenabklappern. Wir entscheiden uns, es aus einem Café in der Nähe zu betrachten. Es ist ein Café, wie es auch in Hamburg, Berlin oder anderen Städten sein könnte. Kühler, eleganter Schick, Kreide auf Tafeln, in meinem Milchschaum ein Herzchen. Der Barrista hier verfügt offensichtlich über gewisse Skills. Ich bin beeindruckt. Ist mir so bisher nicht untergekommen.

Im Café entdecke ich zu meiner Überraschung zwei bekannte Gesichter: das britische Rentnerehepaar Jo und June, die ich in der zweiten Woche kennengelernt habe. Wir tauschen uns kurz aus. Toll dass die beiden so gut durchkommen. Ich hätte gedacht, sie wären ein Stück hinter mir. Thijs lacht über mich. Es sei unfassbar, wie viele Leute ich immer kennen würde und wie viele mich kennen würden. Marco und er hätten eine Gruppe Australier getroffen und festgestellt, dass sie alle einen gemeinsamen Nenner hätten, mich. Ich muss schmunzeln. Dabei kann es sich eigentlich nur um die drei mit den Hüten handeln, die mich mit nach Leon geschleppt haben, als ich krank war.

Pfeile gegen Technik

img_4095Wir brechen auf. Es geht über den zentralen Platz mit Kirche, den gelben Pfeilen folgend, während Marco hinter uns bald meckert, dass wir falsch seien, wir müssten nach Westen. Ich ignoriere ihn eine Zeit lang geflissentlich, während uns der Camino entlang eines Flüsschens laufen lässt. Marcos technische Gerätschaft hätte uns vermutlich über große Straßen geschickt. Als er sich zum wiederholten Male beschwert, dass wir die ganze Zeit nach Nord-Osten gehen würden, kann ich mich nicht mehr zurückhalten und sage ihm, dass er mir auf den Geist geht.

Er schaut kurz verdutzt und muss dann wie immer lachen. Ich habe das Gefühl, dass er es nicht so oft erlebt, dass er Contra kriegt, das aber ganz amüsant findet. Ich frage ihn, ob er den gelben Pfeil sehen könne. Ja, kann er. Wieso er dann denkt, dass wir falsch wären. Hier wären schon Hunderte von Pilgern entlang gegangen und sie seien offensichtlich alle ans Ziel gekommen. Ob wir uns also endlich mal entspannen könnten.

Marco murmelt zwar noch, dass das mit Sicherheit nicht der kürzeste Weg sei, fügt sich aber in sein Schicksal. Ich gebe zu, dass ich trotzdem höllisch erleichtert bin, als auch dieser Weg endlich eine Biege nach Westen macht. Die Strecke ist heute semi-spektakulär. Es geht durch die Vororte Ponferradas und deren Attraktion hält sich in Grenzen. Thijs unterhält mich mit weiteren Geschichten aus seinem Leben. Ich bin immer wieder fasziniert, wo er überall gewesen ist und was er alles erlebt hat.

Der Tag der bemalten Kirchenwände

Eine Stunde später sind wir in Compostilla, wo die Rückwand der kleinen Kirche mit mehr oder weniger Talent bemalt wurde.img_4096 Es geht weiter durch Siedlungen und bei uns Dreien ergibt sich die übliche Aufstellung: Marco rennt vorweg, Thijs versucht, mit ihm Schritt zu halten und mir ist es zu blöd.

img_4097Als ich gerade in eine Nebenstraße abbiege, um mir eine Statue genauer anzuschauen, bei der eine Frau neben der ein Kind steht, einen Brotkorb in die Luft stemmt, verliere ich den Anschluss. Soll mir egal sein. Ich habe keine Lust, schneller zu laufen, als ich muss. Die Bergetappen der letzten beiden Tage stecken mir noch sehr bemerkbar in den Beinen.

img_4098Auch hier gibt es kurz darauf wieder eine Kapelle mit einer bemalten Wand und einem kleinen Pilger, außerdem ein imposantes Storchennest. Die klappernden Kollegen begleiten uns heute tatsächlich den ganzen Weg über. Überall sitzen Junge, die kurz davor sind, flügge zu werden.

Als ich den nächsten Ort, Fuentesnuevas, erreiche – Thijs und Marco sind noch in Sichtweite – und ein Café entdecke, entscheide ich, hier zu bleiben. Ich werde nicht zu den beiden aufschließen, ohne mich zu verausgaben, und ich brauche eine Pause.

Wieder Einzelschicksal

Thijs dreht sich nach mir um, und ich gestikuliere, dass ich hier Rast machen werde. Ich bin mir sicher, dass er gerne ebenfalls kurz pausiert hätte, aber seine Angst, Marco zu verlieren, ist vermutlich größer. Selbst Schuld. Ich besorge mir drinnen eine Kaz Limon und setze mich damit vor den Laden. img_1170Dafür dass die Bar nicht besonders ansprechend ist, haben sie einen sehr witzigen Stempel, der unter anderem die Sonne, das Cruz de Ferro, vor allem aber eine kleine Schnecke zeigt. Ich muss grinsen – Schnecke ist gerade mein Motto.

Eine halbe Stunde später bin ich erholt genug, um das nächste Stück in Angriff zu nehmen. Ich laufe immer weiter an der Straße entlang, die durch das langgezogene Dorf führt. Vor einer kleinen Kirche sitzt eine rüstige, rundliche, alte Dame hinter einem kleinen Pult und ruft nach mir. Ich schaue etwas unwillig zu ihr herüber. Ich bin gerade wieder in Tritt gekommen.

Sie habe einen Stempel, ich solle mal kurz mit meinem Credencial rüberkommen. Ich will nicht unhöflich sein. Sie sitzt hier offensichtlich den ganzen Tag in der Sonne und macht Werbung für ihre kleine Kirche, also was soll es. Ich gehe rüber, hole meinen Pilgerausweis heraus, sie stempelt ihn, und ich will weiter, als sie auf ihre Kirche deutet. Also gut, wenn es sie glücklich macht, gehe ich eben noch mal kurz rein.

Auf Michelangelos Spuren

img_4099Was bin ich dieser ambitionierten, kleinen Dame dankbar, dass sie mich hier reingeschleust hat, denn drinnen angekommen, kann ich meinen Augen gar nicht trauen. Die Kirche muss sich mit ihrer Rentabel nicht hinter den größeren Kirchen in der Umgebung verstecken, aber sie hat ein As im Ärmel. In ihrer kleinen Kuppel gibt es ein Fresko, dass das letzte Abendmal zeigt (leider von mir sehr ungünstig fotografiert).Beeindruckendes Fresko im Örtchen Fuentesnuevas am Jakobsweg Camino Frances

Noch mal zur Erinnerung: wir befinden uns in einem Dorf, das ungefähr so groß ist, wie mein Geburtsort, vielleicht 2.000 Einwohner und die gönnen sich hier mal eben so einen Prunk. Faszinierend.

Als ich wieder herauskomme, bedanke ich mich bei der Señora und sage ihr, was sie für eine wunderschöne Kirche habe, die ich ohne sie nie gesehen hätte. Sie strahlt mit der Sonne um die Wette.img_4101

Der Weg zieht sich. Das Wissen, dass es in dreieinhalb Kilometern eine Weinkellerei gibt, in der Pilger für € 1,50 ein Glas Hauswein und ein Stück Empanada erhalten, treibt mich an. Manchmal ist es dann doch sehr hilfreich, den Reiseführer zu lesen. Ich laufe sicher zwei Kilometer durch einen langgezogenen, größeren, vor allem aber hässlichen Ort namens Camponaraya auf dem recht schmalen Bürgersteige, während die Autos an mir vorbei brausen.

Ja, so macht Pilgern Spaß, das kann man nicht anders sagen. Während ich an Reklamen und kleinen Geschäften vorbeipese, manifestiere ich im Kopf das tröstende Glas Wein samt Häppchen und tatsächlich, irgendwann liegt die Bodega vor mir.

Pilger-Sonderangebot

Ich schlendere durch die Räumlichkeiten und werde schnell von einem Herrn entdeckt, der mich als Peregrina identifiziert und loseilt, um mir die schriftlich angekündigte Leckerei zu besorgen. Der Wein schmeckt auch schon mittags und die Empanada ebenso. Ich sammle für €1,50 neue Kräfte.

Gestärkt geht es nun weiter durch Weinhänge und Wälder. Ich fühle mich zwischendurch wie in Deutschland, so wenig spanisch kommt mir die Landschaft vor. Es ist wenig los, und ich sehe kaum andere Pilger, während ich in Schlangenlinien durch den Wald laufe und anschließend an den Weinstöcken entlang in Richtung Cacabelos. Die Ruhe ist herrlich nach dem Trubel der Vororte.img_4104

Ich habe längst entschieden, dass ich nicht nach Villafranca gehen werde – 30 km sind mir heute wirklich zu viel. Ich werde die verbleibenden 8,5 km morgen machen und dann dort einen Pausentag einlegen, das schadet sicher nicht, bevor es in Kürze dann wieder über Stock und Stein rauf und runter gehen wird. O Cebreiro, letzter Höhepunkt auf meiner Tour, ist nicht mehr weit und dazu muss ich steil bergauf. Marco und Thijs werde ich dann verlieren. Die werden garantiert durchziehen, aber ich habe nach wie vor mehr als genug Zeit. Die nehme ich mir daher auch.

Privatzimmerflair im Kreuzgang

Endlich sind auch die letzten sechseinhalb Kilometer geschafft. Ich laufe in Cacabelos ein. Der Ort zieht sich unangenehm, wie fast alle Orte heute, und die Herberge ist natürlich ganz am Ende. Die Unterkunft ist dann aber jeden Schritt wert. Ihre Zimmer sind in die Mauer eingelassen, die die Kirche umgibt. Es erinnert ein wenig an einen bewohnten Kreuzgang. Das Coolste: hinter jeder Tür befindet sich eine Zweierkabine. Hallo Privatsphäre, mein alter Freund, was habe ich dich vermisst.

Die freundliche Hospitalera fragt, woher ich sei und wir unterhalten uns kurz, bevor sie mich zu meinem Zimmer führt. Es ist niemand außer mir dort. Ich kann es gar nicht glauben. Es ist schon etwas später, und es sind noch genug Kabinen frei. Wenn ich richtig, richtig Glück habe, ist mir ja vielleicht sogar eine Nacht allein vergönnt!

Als ich zum Wäsche waschen mein Nest verlasse, sitzen draußen Marco und Thijs. Was für eine Überraschung! Mit den beiden hätte ich nun wirklich gar nicht gerechnet. Ich war überzeugt, dass sie bis nach Villafranca gegangen seien. Nix da, ihnen hat es offensichtlich ebenfalls für heute gereicht. Ob wir eine Kaz Limon trinken wollen, fragt Marco. Ich deute auf den Automaten, der laut Eigenaussage out of order ist. Marco tut es ab und sagt, ich solle waschen, er kümmere sich um den Rest. Wie auch immer es ihm gelungen ist, als ich meine sauberen Sachen aufgehängt habe und zu den kleinen Tischen zurückkehre, wartet eine Fanta Limon auf mich. Die Freude ist riesig.

Auf Kuschelkurs mit den Beatles

img_4105Wir beschließen, gemeinsam auf der Suche nach etwas zu essen, in den Ort zu laufen und werden schnell fündig. Es gibt einen Laden, der ein wenig an ein Irish Pub erinnert, in dem wir unser Abendessen ordern. Ich weiß nicht mehr genau, wie wir auf das Thema kommen, aber Thijs kommt auf eine Geschichte zu sprechen, die gut ein paar Jahrzehnte zurückliegt. Das Gespräch dreht irgendwie gerade um Musik und Großstadt.

Thijs holt tief Luft und erzählt mir die unglaubliche Geschichte von seinem Treffen mit den Beatles. Ich erinnere an dieser Stelle noch einmal daran, wie beeindruckt ich bereits war, mit June eine Frau zu treffen, die die Pilzköpfe live in Aktion gesehen hat, weil sie bei einem Konzert war. Diese Geschichte verliert absolut an Glamour, wenn man Thijs‘ Geschichte gehört hat.

Thijs ist in Amsterdam großgeworden und wohnte nur wenige Kilometer vom Flughafen Schiphol entfernt. Das Flughafengelände übte auf ihn und seine Freunde einen großen Reiz aus, und sie verbrachten als Kinder viel Zeit dort, mit dem Ergebnis, dass Thijs Schiphol wie seine Westentasche kennt. Wir befinden uns irgendwann in den wilden Sechzigern. Die Beatles gastieren in Amsterdam und landen natürlich auf dem großen Flughafen.

Für Thijs und seinen Freund ist es klare Sache, ich auf das Gelände zu schleichen, um sich die Fab Four aus nächster Nähe anzuschauen. Es gelingt. Gemeinsam mit Presse und Fotografen stehen sie auf dem Rollfeld, als der Flieger landet. Es kommt zu den üblichen Unruhen, kreischende Mädchen, überall Blitzgewitter. Thijs wird nach vorn geschleudert und landet, ehe er sich versieht, zwischen zwei Beatles. Er kann gar nicht schnell genug reagieren, da wird er auch schon wieder zurückgeschleudert.

Ich mache natürlich riesengroße Augen. Dieser Mann hat die Beatles berührt! Wie abgefahren ist das denn? Dass er beim abendlichen Konzert war, ist natürlich Ehrensache. Ich versinke vor Ehrfurcht im Boden und stelle 100 Fragen. Das kann Marco nicht auf sich sitzen lassen und erzählt mir schnell, dass er in den USA mehrfach Ringo Star getroffen habe. Ich staune.

Thijs erzählt mir außerdem von einem Stones Konzert, auf dem er war und das abgebrochen wurde, weil es zu einer Schlägerei kam. Ich fühle mich mal wieder wie das Landei vom Dienst und denke an meine Eltern, die beide Bands mochten, aber mit Sicherheit nicht ohne weiteres auf ein Konzert der einen oder anderen Gruppe hätten gehen können. Die Wege waren zu weit. Es hat schon seine Vorteile, wenn man in einer Großstadt aufwächst.

Tisch und Bett mit einem Influencer

img_4106Als wir zurück in der Herberge sind, wird mein Traum vom Alleinschlafen schlagartig beendet. Unter der Tür meiner Hütte entdecke ich einen Lichtstreifen. Es wäre aber auch zu schön gewesen. Ich öffne die Tür und finde eine junge Frau vor. Ich begrüße sie, so freundlich ich nach der Enttäuschung kann, auf Englisch. Woher sie komme, will ich wissen. Aus Deutschland, antwortet sie mir. Ich lache und sage, dass wir dann ja auch problemlos Deutsch sprechen können. Wo ich denn wohne, will sie wissen. Ich sage Hamburg und sie macht große Augen. Da komme sie auch her. Dann stellen wir fest, dass wir sage und schreibe einen Kilometer voneinander entfernt wohnen. Die Welt ist wirklich ein Dorf.

Sie erzählt mir, dass sie jeden Tag auf dem Jakobsweg 50 Kilometer laufe, weil sie nur zwei Wochen Zeit habe, um den ganzen Camino zu schaffen. Ich versuche, ein neutrales Gesicht zu machen. Ich kann so was nur schwer verstehen. Sie berichtet, dass sie jeden Tag bis spät abends unterwegs sei und so spät in den Herbergen ankomme, dass sie schon mehrmals auf dem Boden schlafen musste. Sie stehe total auf Trail Running. Ich verstehe nur Bahnhof. Dazu wäre mir der Weg irgendwie zu schade. Bekanntschaften mache sie kaum, sagt sie, denn sie sehe die Leute ja immer nur einen Tag, danach seien sie weit hinter ihr.

Völlig ohne Kontext erzählt sie mir anschließend, dass sie sich in dem besagten Neubaugebiet eine Eigentumswohnung gekauft habe und dass ihr Freund seine Schwierigkeiten damit habe, dass sie als Moderatorin super verdiene. Ich verdrehe innerlich die Augen. Bei der ganzen Rennerei hat sie das Grundrezept des Caminos, dass es nicht auf Leistung ankommt, offensichtlich noch nicht ganz entschlüsseln können.

Dann zeigt sie mir noch ein Video von sich. Sie hat eine kleine Dokumentation vom Cruz de Ferro gemacht. Im Style eines Beauty-Tutorials steht sie, das Kreuz im Hintergrund, mit breitem Grinsen vor der Kamera: „Hallo Leute… bla bla bla.“  Ich grinse in mich hinein, denke mir mit rheinischer Gelassenheit, dass jeder Jeck anders ist und schlafe kurz darauf ein. Wir werden uns vermutlich nicht wiedersehen. Ich laufe ja bekanntlich keine 50 Kilometer, sondern freue mich auf meinen Pausentag in Villafranca morgen. Dazu muss ich nämlich ganze neun Kilometer laufen. Das hört sich doch machbar an.

Zeitreise

Vorwärts:  Jetzt willst du wissen, wie mein Pausentag in Villafranca wird? Dann muss ich dich enttäuschen, denn ich entscheide mich dagegen und laufe lieber pausenlos durch den Regen. Auf dem Weg von Cacabelos nach Trabadelo bin nicht nur klatschnass, sondern laufe auch noch kilometerweit auf einem schrägen Weg geradeaus, dusche ohne zu zahlen und muss den Eisklötzchen-Autisten ertragen.

Rückwärts: Du hast verpasst, wie ich mich am Cruz de Ferro wie im Disneyland für Sünder gefühlt habe und weißt auch nicht, dass ich Karriere als Paparazzi gemacht habe und den Tag mit einem flotten Dreier mit einem 60- und einem 70-jähirgen beschlossen habe? Dann komm doch noch mal mit von Foncebadon nach Molinaseca und lies nach.

Du bist hier heute durch Zufall gelandet und möchtest das Abenteuer von Anfang an erleben? Dann geht es hier entlang.

Kommentare und Ergänzungen

Warst du selbst auf dem Jakobsweg unterwegs? Kennst du diese Tage, die einfach nicht vorbei gehen wollen und die Dörfer, die sich endlos ziehen? Und warst du auch in der grandiosen Unterkunft in Cacabelos und hast die wohlverdiente Privatsphäre genießen können? Warst du vielleicht sogar mit mir auf diesem Stück unterwegs? Hast du noch etwas zu ergänzen oder zu korrigieren? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar.

Ich muss das weitersagen
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6 Gedanken zu „Camino Frances #31: Von Molinaseca nach Cacabelos&8220;

  1. Die Ilka, hahaha. Ich kenne sie aus Runtastic, dort kann man/frau sie im Ohr mit ihrem Lauftrainingsprogramm hören und sich einpeitschen lassen.

    LG R

  2. Hi Audrey, leider hast du in Cacabelos den vermutlich besten Weißwein des Caminos verpaßt… Wir waren in der Ortsmitte in einer Albergue/Pension/Hotel für 10€ im Viererzimmer mit eigenem Bad!!!! Luxus pur… Da wir nur zu dritt waren bekamen wir noch eine sehr junge Kanadierin mit aufs Zimmer, die Arme hat mir schon ein wenig leid getan. Mit 3 alten Säcken gemeinsam auf dem Zimmer. Wir haben uns kurz unterhalten, waren aber vermutlich nicht ihre Zielgruppe…hahahaha aber wie gesagt, der Weißwein zum Essen war eine Granate. buen camino

Und was sagst Du?