Camino Frances #40: Von Pedrouzo nach Santiago

Camino Frances - Tag 41&40: Von Pedrouzo nach Santiago #ankommen #caminodesantiago #camino #caminofrances #Santiago #fernwanderung #wandern #spanien #pilgern #santiagodecompostella #finisterre #fisterra #galicien #galicia #outdoor #outdoorblog #outdoorblogger #reiseblogger #wanderblogger #wanderblog #reiseblog #läuftbeiihr

Etappe 36 auf dem Jakobsweg: ich mache illegale Beweisbilder, stehe mutterseelenallein vor der Kathedrale in Santiago, mache Karriere als Heulsuse, Knecht Ruprecht, Etheldred und als Brücke, sehe ein Silberfass fliegen, bekomme das größte Camino-Geschenk und beende den Weg definitiv nicht ginlos (5. Juni 2016, 20 Kilometer)

Tag 40, da bist du. Erst herbeigesehnt, dann vergessen und jetzt mit voller Wucht anwesend. Wenn ich nicht heute bereits nach zwei Stunden das Laufen einstelle, komme ich in ein paar Stunden in Santiago an. Ich könnte jetzt schon heulen.

Atemlos durch die Nacht

Wie versprochen rütteln mich um halb sechs Bens große Hände aus dem Schlaf. Ich muss kurz überlegen, wo ich bin, denn im Schlafsaal ist es stockdunkel. Richtig – heute beginnen wir ja besonders früh. Um sechs Uhr loslaufen heißt die Devise.

Auf Zehenspitzen tapsen wir vorsichtig durch den Raum, angeln Stück für Stück nach den Utensilien, die wir bereits gestern Abend griffbereit hingestellt haben und schleichen mit unserer Beute in den erleuchteten Flur, wo wir alles im Rucksack verstauen.

Die übliche Routine. Inzwischen bewege ich mich im Inneren meines Rucksacks mit genauso schlafwandlerischer Sicherheit wie in meiner eigenen Wohnung. Alles hat seinen Platz. Unteres Fach Schlafsack, Inlay, Handtücher, Flipflops. Großes Fach Kulturbeutel, daneben an der Außenwand die Turnschuhe, darin die Socken und darauf der Beutel mit den Klamotten. Und doch will heute nicht alles so mühelos seinen Platz finden wie sonst. Es ist, als würden meine Hände noch ein wenig Zeit schinden wollen. Nach drei Anläufen ist endlich alles verstaut, und wir huschen nach unten.

Im Raum beim Kaffeeautomaten sind wir keineswegs die Ersten. Es herrscht Aufbruchsstimmung, „Santiago“ hört man es immer wieder wispern und dann Lächeln und Seufzer in einem ausgewogenen 50:50.

Nach einer letzten Zigarette auf der Terrasse macht sich unser Trio auf den Weg. Wir verlassen den hässlichen, langgezogenen Ort schnell und laufen bald in der weichenden Dunkelheit zwischen Feldern durch Frühnebel. Vor uns Pilger, hinter uns Pilger. Die meisten mit Stirnlampe.

Menschen, Bilder, Emotionen

Es ist viertel vor sieben, und bei mir kullert bereits jetzt die erste Träne. Das war es also. Meine Gedanken durchlaufen im Eiltempo die letzten sechs Wochen, während um mich herum der Tag anbricht.img_4201 Rob und die Pyrenäen, Maria und Roncesvalles, Kati und Santo Domingo, Wim und Burgos, Sabine und San Nicolas, Marco und Thijs und León, Ben und Tina und Santiago – so schließt sich der Kreis. Menschen, Orte, Emotionen. Bilder und Erinnerungen. Gesprächsfetzen und Erlebnisse. Unfassbar, was man alles in anderthalb Monaten erleben kann.

Illegale Beweisbilder

Gedankenverloren erreiche ich nach einer Stunde die erste Bar. Sie platzt aus allen Nähten. In der Schlange zum ersten ordentlichen café con leche traue ich auf einmal meinen Augen nicht. Vor mir steht eine kleine, robuste Dame, die sich vordrängelt. Die kenne ich doch!

Ich schaue noch einmal genauer hin. Spätestens als sie tack tack tack auf Spanisch ihre Bestellung aufgibt, weiß ich es mit hundertprozentiger Sicherheit: das ist die kleine, peruanische Nachtmusik, das menschliche Sägewerk, die Trulla, die mir vorletzte Nacht den Schlaf geraubt hat und von der ich absolut überzeugt bin, dass sie die selbe ist, die auch Thijs um den Schlaf gebracht hat.

Ich zücke mein Handy und mache ein unauffälliges Foto, um es Thijs zu schicken. Ben schaut mich leicht verwundert an. Dass ich nun auch in Portraitfotografie mache, ist ihm neu (ich würde das Bild zu gern hier veröffentlichen, um alle zu warnen, aber a) treibt die Dame in der Regel in Südamerika ihr Unwesen und b) ist es wohl nicht ganz datenschutzkonform).

Als wir mit unserem Kaffee draußen stehen, kläre ich Ben und Tina auf. Das Gelächter ist groß. Angesichts der Vielzahl an Leuten, die dieses letzte Stück mit uns gehen und unseres Zeitdrucks hinsichtlich der Pilgermesse, entscheide ich, dass wir uns hier und jetzt um eine Unterkunft kümmern. Die anderen sind einverstanden, und so buche ich drei Einzelzimmer in einem Hotel, das nur 10 Minuten von der Kathedrale entfernt ist.

Wasser Marsch

Wir setzen uns wieder in Bewegung. Bens Laune wird mit jedem Meter schlechter. Ich bekomme nur noch Achselzucker und kurz angebundene Antworten. Er lässt sich zurückfallen, ich ziehe das Tempo an. Scheint, als ob jeder seinen eigenen Gedanken nachhängen wolle und dabei lieber allein sein will.

Zwischen den Feldern, die inzwischen von der Sonne geküsst werden, erwischt mich die nächste Tränenwelle. Ich weiß gar nicht, woher sie kommt, aber aus dem Nichts habe ich salzige Stauseen in den Augen, aus denen es unkontrolliert kullert. Mir gehen immer wieder Bilder durch den Kopf. Meine Emotionen spielen Pingpong: von Stolz zu Trauer zu Dankbarkeit zu Enttäuschung. Um das Ganze noch ein wenig schlimmer zu machen, höre ich Händels Feuerwerksmusik. Große Töne für große Gefühle.

Die Zeichen mehren sich

Um acht Uhr, Tina und Ben sind außer Sichtweite, erreiche ich einen Pfeiler, der dieses Gebiet bereits als Santiago ausweist. Sicherheitshalber ist noch ein gelber Pfeil drauf – man will sich auf dem schnurgeraden Trampelpfad neben der gut befahrenen Straße schließlich nicht verlaufen. img_4205

Ich nähere mich unausweichlich dem Schlusspunkt meiner Reise. Der Camino-Gott bereitet mich bestmöglich auf das nahende Ende vor und schickt mich über langweilige Landstraße und durch ein Industriegebiet. Da kriegt man endlich mal wieder richtig Bodenhaftung.

Industriecharme und Denkmalsünden

Anderthalb Stunden später bin ich am Monte do Gozo. Zwischendurch immer wieder kleine Backflashs, Tränen und ein wiederkehrender Satzfetzen „ich bin über die Pyrenäen gekommen.“ Knapp 800 Kilometer zu Fuß. Das ist Wahnsinn! Was habe ich für ein Glück gehabt! Mit meinem Körper, mit dem Wetter, vor allem aber mit den Menschen. Darauf gleich mal wieder eine Ladung Tränen.

Denkmal für Johannes Paul II auf dem Monte do Gozo
Johannes Paul II Denkmal

Am Monte do Gozo ist gut zu tun, und so wische ich mir die Heulerei aus dem Gesicht und steuere auf einen kleinen Verkaufsstand zu, wo ich mir eine Kas Limon besorge und damit in der Hand das Denkmal bestaune, das man zu Ehren Papst Johannes Pauls II hier hingestellt hat. Was für ein hässlicher Klotz.

Getoppt wird dieser Anblick nur noch vom Anblick Santiagos, das zu unseren Füßen liegt und alles andere als anziehend ist. Autobahnen, Industrie, Gebäude so weit das Auge reicht. Die ganze Hässlichkeit der Urbanität schlägt mir entgegen.

Inzwischen sind auch Ben und Tina da. Die Schwedin ist aufgeregt. Ihr kann das ganze Elend nichts anhaben. Zu stolz ist sie, hier aus eigener Kraft (und dank ein paar PS der örtlichen Busbetriebe) angelangt zu sein. Ben hingegen ist missmutig und übelster Laune. Er macht keine großen Worte, aber es ist aktuell wirklich kein Vergnügen, in seiner Nähe zu sein.

Land in Sicht

Ich versuche mich in meiner sonst leichtesten Übung, dem Optimismus. In anderthalb Stunden seien wir da, wir sollten stolz und glücklich sein, zu denen zu gehören, die das Ziel erreichten. Wäre es nicht toll, wenn wir Hand in Hand in Santiago einliefen? Von Ben erhalte ich ein Grunzen, und ich muss einräumen, dass ich meinen eigenen Worten nicht so recht über den Weg traue. Es fühlt sich einfach nicht nach Freude an, auch wenn ich es mir noch so sehr wünschen würde.

Den Abstieg vom Berg machen wir nur kurz als Trio, dann fällt Ben zurück. Er geht heute wirklich im Schneckentempo. img_4208Und so laufe ich schnell wieder allein. Passiere die Autobahnkreuze, das nächste Industriegebiet, atme Abgase und durchleide das Kapitel Einzug in die Stadt zum wiederholten Male, nur dass es diesmal nicht irgendeine Stadt ist.

Bin ich wirklich bereit für das Ende? Es scheint mir nicht so.

Eine kleine Ablenkung bietet sich am Fuß des Berges, wo in großen, roten Lettern der Name unseres Ziels prangt. Es ist viertel nach zehn und vor dem Zaun, an dem die Buchstaben angebracht sind, treffe ich auf einen alten Bekannten. Der Tscheche Jirak, der wie Robin Williams aussieht, posiert dort gerade für ein Foto. Wir umarmen uns, und er erklärt sich sofort bereit, ein Bild von mir zu machen.

img_4209
Gleich sind wir in Santiago

Nur noch etwas weniger als vier Kilometer, dann seien wir da, sagt er strahlend und voller Vorfreude.

Mit Tina neben mir und dem schlecht gelaunten Bär im Schlepptau geht es durch die Vorstadt dem Ziel entgegen. Wir haben die Türme der Kathedrale schon ein paar Mal aufblitzen sehen. Eine gewisse Aufregung packt mich nun doch, und ich gehe schneller. Wir kreuzen Straßen, nähern uns älterer Bausubstanz und sind nun im Inneren der Pilgerhauptstadt angelangt.

Es ist Sonntag und überall auf den Terrassen der Cafés sitzen Menschen, die offensichtlich keine Ahnung haben, welch besonderer Moment da gerade auf mich zukommt. An allen Ecken wird Nippes verkauft. Es fühlt sich alles andere als erhaben an, wie ich mich mit meinem Rucksack an Leuten vorbeiwinde, die mir teilweise zulächeln. Eine letzte Kurve, dann stehe ich plötzlich am Seitenschiff der Kathedrale. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man das ehemalige Pilgerhospital, in dem inzwischen ein weiterer Parador untergebracht ist.

Eine unrühmliche Ankunft

Ich halte noch ein letztes Mal an. Lasse alles auf mich wirken. In dem Moment schlagen die Glocken elf Uhr. Eine kleine Unterführung trennt mich von meinem finalen Ziel, dem Platz vor der Kathedrale. In der Unterführung sitzt ein Typ und spielt auf der Gaita. Das quietschende Dudelsack-Geräusch geht mir auf die Nerven, das Echo aus der Unterführung macht es nicht besser. Tina kommt und wir warten gemeinsam auf Ben. Die letzten Schritte möchte ich gemeinsam mit den beiden machen. Doch Ben lässt uns einfach stehen und geht an uns vorbei, mit gesenktem Kopf durch die Unterführung.

Und so nehme ich die letzten Schritte mutterseelenallein in Angriff. Kaum am Gaita-Spieler vorbei, liegt der große Platz vor mir. Auf dem Boden sitzen verstreut Pilger. Viele tanzen und springen, fallen sich um den Hals. Das ist jetzt also mein großer Moment, auf den ich so lange hingefiebert habe. Nicht feierlich, nicht besonders, einfach nur trubelig. Es fühlt sich beschissen an.

Ich stehe auf dem großen Platz und blicke zur Kathedrale. Zu allem Überfluss ist der Rechte der beiden Türme eingerüstet. Enttäuscht sinke ich zu Boden, wo ich erst einmal sitzen bleibe und mir eine Zigarette anzünde.

Ben sitzt einen Meter von mir entfernt. Sein Gesicht sieht aus, wie ich mich fühle. Tina ist ebenfalls ganz in der Nähe. Über ihr lachendes Gesicht kullern Tränen. Wenigstens eine von uns fühlt etwas. Niemand hat bisher auch nur ein Wort gesprochen.

Ankunft vor der Kathedrale von Santiago de Compostela
Künstliches Lächeln

Nach zehn Minuten kommt Ben zu mir rüber, setzt sich neben mich und nimmt mich in den Arm. Wir gratulieren uns, teilen unsere Enttäuschung. Außer einem Pflicht-Selfie mit der Kathedrale im Hintergrund und meinem Eierkopf im Vordergrund gibt es von der Ankunft keine Bilder. Nicht ein einziges, auf dem wir Drei gemeinsam vor der Kirche posieren, wie es um uns herum so viele andere, glückliche Menschen tun.

Ich mahne zum Aufbruch. Es ist bereits viertel nach elf. Wir müssen unser Hotel finden, die Sachen dort abgeben und dann schnellst möglich in die Kirche. Schlecht gelaunt bahne ich mir meinen Weg durch die kleinen Gassen zum Hotel. Ich verlaufe mich noch kurz, dann haben wir es geschafft. Es muss alles schnell gehen. Unsere Zimmer sind noch nicht fertig, aber wir dürfen die Rucksäcke dort lassen.

In Wanderklamotten und mit unseren schweren Schuhen flitzen wir zurück. Mein Handy hört gar nicht mehr auf zu vibrieren. Mein Selfie hat die Mitleser meines WhatsApp-Camino-Tickers von ihrem Schweigen entbunden. Es hagelt Glückwünsche. Wie stolz ich auf mich sein könne. Wie dankbar sie seien, dass ich sie täglich an diesem Abenteuer habe teilhaben lassen. Dass ich jetzt mal richtig feiern solle. Meine Eltern, mein Freund, meine Freundinnen und Bekannte, sie alle überschlagen sich vor Begeisterung. Und ich? Ich stehe weiterhin unter Schock oder so etwas ähnlichem.

Grande Finale

Die Kirche ist brechend voll. Kein Sitzplatz in Sicht. Mit 20 Kilometern in den Beinen, die Wanderschuhe noch an den Füßen, müssen wir uns mit einem Stehplatz im Seitenschiff begnügen. Vor mir ist eine Säule, die die Sicht auf den nach drei Seiten offenen Altarraum stark einschränkt. Auf den Sitzplätzen sicherlich lauter Touristen, die nicht wissen, wie es sich anfühlt, nach 800 Kilomtern stehen zu müssen. Es passt einfach alles zusammen. Heute ist kein guter Tag.

Die Kirche platzt nicht nur aus allen Nähten was die Besucherzahl anbelangt, sie ist auch völlig überladen mit Stuck und Engeln, Gold und Schnitzereien. Meine Füße schmerzen. Das kann ja heiter werden. Es kommt Bewegung in die Veranstaltung. Gegenüber von unserem Stehplatz ist der Eingang zur Sakristei. Eine Nonne tritt heraus. Sie geht nach oben, stellt sich an das Mikrofon und beginnt, Gesänge für die Messe mit den Anwesenden zu üben. Auch wenn ich fast nichts sehen kann, rührt ihre Stimme sofort etwas in mir. Sie singt wunderschön. Was für eine Gabe. Ich merke, wie ich mich ein wenig entspanne, während eine Gänsehaut über meinen Arm kriecht.

img_4214Dann setzt die Orgel majestätisch ein. Die Tür der Sakristei öffnet sich erneut und beleuchtet von den Kerzen mehrere Messdiener schreiten sechs Pfarrer aus unterschiedlichsten Nationen zum Altar hinauf. Mich überkommt ein festliches Gefühl. Das verflüchtigt sich allerdings schnell wieder, als der Oberpfarrer gefühlt stundenlang auf Spanisch erzählt, doch es kommt sofort wieder, wenn die Nonne an das Mikrofon tritt und singt. Erste Tränen fließen bei mir. Ich fange an zu verstehen, dass ich es wirklich geschafft habe.

Fliegt es, oder fliegt es nicht?

Als ich zur Kommunion nach vorn gehe und langsam Schritt für Schritt mache, zusammen mit so vielen anderen Pilgern, muss ich erneut kurz weinen. Immer wieder fällt mein Blick auf den Botafumeiro, das große Weihrauchfass, das von der Decke hängt. Wird es für uns fliegen? Das frage ich mich, seit ich die Kirche betreten habe. Die Zeichen stehen nicht unbedingt besonders günstig, denn die Messe nähert sich inzwischen ihrem Ende.

Als ich schon nicht mehr daran glaube, dass es noch passieren könnte, erheben sich plötzlich sechs dunkelrot gewandete Herren und schreiten feierlich nach oben. Ich halte die Luft an, drehe mich zu Ben, der hinter mir steht und deute mit dem Kopf nach vorn. Er nickt mir lächelnd zu. Er weiß, wie viel es mir bedeutet, das zu erleben.

Und dann passiert das Wunder. Die Männer legen ihre ganze Kraft in das Gebälk, das den Botafumeiro zum Schwingen bringt. Dieses riesige Gefäß aus Silber, das so unerschütterlich wirkt und so schwer, fliegt mit jedem Zug höher und wiedersetzt sich so der Schwerkraft. Es fliegt genau durch das Mittelschiff, in dem wir stehen, und ich schaue ihm nach. Höher und höher, wie eine Feder, die vom Wind fortgetragen wird.

img_4217-1
Der Botafumeiro fliegt hoch, mit ihm sämtliche Hände

Und dann brechen bei mir auf einmal alle Dämme. Die Tränen laufen mir unaufhaltsam über das Gesicht, ich schluchze auf und zittere am ganzen Körper. Von hinten legen sich Bens riesige Pranken auf meine Schultern und halten mich. „Ich bin über die Pyrenäen hierher gelaufen“, schießt es mir erneut durch den Kopf und ich fühle mich ein bisschen wie Knecht Ruprecht. „Von draußen, vom Walde, da komm ich her“. Ich lasse meinen Tränen freien Lauf. Es sind Tränen der Dankbarkeit, Tränen des Glücks, Tränen der Erleichterung. Endlich komme ich an. Dieser Moment ist einer der intensivsten auf dem ganzen Camino, und ich teile ihn mit meinem Lieblingsschweden, der mich keine Sekunde loslässt.

Als alles vorbei ist, machen wir uns auf direktem Weg zum Pilgerbüro, um unsere Compostela abzuholen. Die Kirche kann ich mir morgen in Ruhe anschauen. Ich habe ja noch vier Tage, bevor ich zurückfliege. Die Stimmung hat sich auch bei Ben inzwischen um 180 Grad gedreht. Wir sind alle ausgelassen, fröhlich, fallen uns um den Hals und feiern uns.

Überraschung für Etheldredam

img_4222Vor dem Pilgerbüro ist eine lange Schlange, die bis nach draußen geht. Wir stehen uns gerade zwischen den Pfeilern die Beine in den Bauch, als ich jemanden meinen Namen rufen höre. Als ich mich umschaue, traue ich meinen Augen nicht. Da sind Rob und Maria, die sich extra auf den Weg hierher gemacht haben, um mich in Empfang zu nehmen.

Ich falle den beiden um den Hals. Wieder gibt es Tränen. Vor allem Rob will ich gar nicht mehr loslassen. Wie habe ich die Zeit mit diesem tollen Mann in den ersten zwei Wochen genossen, und was war er doch für eine perfekte Begleitung für mich. Maria strahlt ebenfalls über das ganze Gesicht. Sie ist nicht wiederzuerkennen, wenn ich an die Dame denke, die mit ihrer überschaubaren Laune in Roncesvalles mit mir am Tisch saß. Ich stelle sie Ben und Tina vor, die völlig geplättet sind, als ich sage, dass ich diese beiden Menschen vom ersten Tag kenne. Wir verabreden uns für heute Abend zum Essen.

Es dauert sicher noch eine Stunde, bis wir endlich an der Reihe sind. Man fühlt sich wie beim Einwohnermeldeamt mit den leuchtenden Zahlen, die den nächsten, freien Schalter ausweisen. Wo ich gestartet sei und was meine Motivation für den Weg war, will der nette Mann wissen. img_4334Als ich ihm meinen Ausweis über den Tresen reiche, schaut er stirnrunzelnd auf meinen Namen.

Er holt einen dicken Wälzer heraus. Die Compostela, die man erhält, wenn man aus religiösen Motiven gelaufen ist, ist auf Latein. So auch der Name, der dort eingetragen wird. Den muss er nun aber erst einmal nachschlagen. Und siehe da – aus Audrey wird Etheldred. Klingt komisch, ist aber tatsächlich richtig. Audrey ist die altenglische Koseform von Adeltraud, welches, in seiner lateinischen Variante, dann offensichtlich zu Etheldred wird. Ich sage nicht, dass es ich es toll finde. Nur dass es korrekt ist.

Endlich normale Menschen

Mit der Compostela in der Hand suchen wir uns eine Bar um die Ecke und genehmigen uns erst mal ein Bier und ein paar Tapas mit Blick auf die Kathedrale.Seitenansicht der Kathedrale von Santiago de Compostela Wir haben heute nur gefrühstückt. Immer wieder sehe ich bekannte Gesichter. Es wuselt nur so von Pilgern. Diesmal finde ich es schön, dass wir so viel zu schauen haben.

Vorerst gesättigt, verziehen wir uns in unser Hotel. Ich freue mich bereits seit mindestens einer Stunde auf ein Bad. Kurz darauf liege ich im warmen Wasser und fühle mich langsam wieder wie ein normaler Mensch. Um fünf klopft es wie versprochen an meiner Tür. Ben kommt zum Pony-Schneiden vorbei. Diesmal hat er Tinas große Schere dabei. Unser Versuch mit seiner Nagelschere war ja vor ein paar Tagen zum Scheitern verurteilt. Ich habe mich nach Ewigkeiten mal wieder ein bisschen geschminkt. Als Ben fertig ist, kann man mein malerisches Meisterwerk dann auch endlich sehen, und es hagelt Komplimente.

Völlig euphorisiert steuern wir eine Bar gleich gegenüber unserem Hotel an und bestellen Gin Tonic und Cuba Libre. Wir beschließen, dass wir uns heute auf jeden 100-Kilometer-Punkt unseres Weges einen Longdrink genehmigen. Tina stößt zu uns und wir bestellen erneut. Nachdem wir bereits auf Saint Jean Pied de Port, unserem Anfangspunkt, angestoßen haben, ist nun Estella an der Reihe.

Das schönste Camino-Geschenk

Um halb acht treffen wir uns mit Rob und Maria vor der Kathedrale. Ich möchte gerne Tapas essen gehen und so schlendern wir gemeinsam durch die verwinkelte Altstadt. Meine vier Wegbegleiter sind sich nicht zu schade, für ein herrlich ausgelassenes Foto zu posieren.img_1660 Die Stimmung ist hervorragend.

Wir landen in einem netten Laden mitten in der Altstadt, wo wir draußen sitzen und erst mal Sangria für alle bestellen. Dann ordere ich sämtliche Schweinereien von der Tapas-Karte. Wir wollen zusammenlegen und es uns gut gehen lassen. Es gibt meine geliebten Pimientos al padron, Serrano-Schinken, Iberico-Käse, Hackbällchen in Tomatensauce, Patatas Bravas, Kroketten und sogar Pulpo, weil wir neugierig sind. Wie die Heuschrecken machen wir uns über das Essen her.

Auf einmal sticht mir eine vertraute, blaue Jacke ins Auge. Thijs und Marco sind da. Ich kann mein Glück kaum fassen. Wir fallen uns um den Hals. Die beiden sind heute aus Finisterre zurückgekommen. Was bin ich doch für ein Glückspilz. Schon sind wir zu siebt. Drei Niederländer, zwei Schweden, eine Österreicherin und ein gemeinsamer Nenner – ich.

Die Stimmung am Tisch ist großartig, und ich bitte den Kellner, ein Bild von uns zu machen. Als ich ihm erkläre, dass an diesem Tisch zwei Menschen von Tag eins, zwei Menschen aus der Mitte meiner Wanderung und zwei von ihrem Ende sitzen, lächelt er mir zu und sagt: „You are a very lucky girl.“ img_1661Das ist mir absolut bewusst. Ich kann es gar nicht glauben. Dieses Foto, auf dem drei ganz verschiedene Zweierkonstellationen vereint sind, ist bis heute mein größtes Camino Geschenk. Es hängt in meiner Küche, und ich schmunzle immer, wenn mein Blick darauf fällt.

Obwohl sich die unterschiedlichen Paare nicht kennen, verstehen sich alle auf Anhieb blendend. Sie haben ja bereits voneinander gehört, und ich sitze mittendrin und freue mich einfach nur. Was bin ich für ein Glückskind, dass mir diese Menschen auf dem Weg begegnet sind. Dass sie nun alle hier mit mir sitzen, ist für mich ein klarer Fall von Camino Magic. Die einzige, die mir zu meinem Glück fehlt, ist Kati. Was hätte ich darum gegeben, auch sie dabei zu haben.

Geschenke – Runde zwei

Ich habe ausreichend Gelegenheit, noch einmal mit allen liebgewonnenen Begleitern zu reden. Thijs sitzt neben mir, und ich verrate ihm, dass ich noch heute Morgen an ihn gedacht und ein Foto für ihn gemacht habe. Er schaut etwas verwundert, als ich mein Handy heraushole und ihm die kleine Nachtmusik zeige. „Ist sie das?“, will ich wissen. „Ist das die Frau, die dir eine schlaflose Nacht bereitet hat?“ Thijs nickt. Ich wusste es doch. Der ganze Tisch lacht. Jeder hatte wohl so seine Begegnungen, die kurz aber intensiv waren. Die Schnarch-Queen aus Peru ist bei mir jedenfalls weit oben auf dieser Liste.

Anschließend nimmt mich Thijs beiseite. Er habe eine Zeit lang über meinen Typisierungsansatz nachgedacht. Ich hatte ihm irgendwann einmal erzählt, dass ich die Pilger, die mir begegnen, mit Eigenschaften oder Attributen verbinde, die für das Leben stehen. Der eine verkörpere das Leid, der nächste die Freude, wieder jemand die Weisheit und jemand anderes die Anstrengung. Das habe ihn beschäftigt, verrät mir Thijs, denn er habe sich gefragt, was ich für ihn verkörpere. Inzwischen wisse er es: für ihn sei ich eine Brücke. Ich hätte Menschen miteinander verbunden, zwischen ihnen vermittelt und sie einander vorgestellt.

Er schaut in die Runde und lächelt. Heute Abend zeige, dass er damit goldrichtig gelegen habe. Hier säßen lauter Fremde und hätten eine wundervolle Zeit miteinander, die sie mir verdankten. Ich sei das Bindeglied. Und apropos gute Zeit – die Zeit, die er mit Marco und mir verbracht hätte, sei die Schönste auf dem ganzen Camino gewesen. Ich bin gerührt. Was für ein Kompliment! Und was für ein schönes Bild, in dem ich mich tatsächlich gern wiederfinde!

Auch Rob nutzt die Gelegenheit, um mir zu verraten, dass die Zeit mit mir auf dem Camino die Angenehmste auf seinem Weg gewesen sei, denn sie sei von Leichtigkeit geprägt gewesen. Vielleicht hätte er sich seine Verletzung erspart, wenn er bei mir geblieben wäre, statt 30 Kilometer zu gehen. Aber auch das sei Camino und sicher für etwas gut gewesen. Ich weiß gar nicht wohin mit all meiner Rührung. Ich bin wirklich ein Glückspilz und ein dankbarer noch dazu.

Kein ginloses Ende

Gegen zehn verabschieden sich die älteren Semester. Nach vielen Umarmungen und Einladungen nach Rotterdam, Amsterdam und Stockholm wird es Zeit für Ben und mich, ins Nachtleben abzutauchen und den weiteren 100-Kilometer-Marken ein Denkmal zu setzen. Wir tingeln Arm in Arm von Bar zu Bar, immer auf der Suche nach dem guten Nordes Gin. Bei Kilometer 500 finden wir ihn endlich. Danach muss ich passen. Die kindskopfgroßen Gläser hinterlassen ihre Spuren. Der Tag war zu lang, und ich bin inzwischen völlig angeschickert. Kilometer 600-800 müssen ohne Toast auskommen.

Wir schnappen uns unsere vollen Gläser und schmuggeln sie ins Hotel. In meinem Zimmer bemühen wir ein letztes Mal Spotify. Wir suchen abwechselnd Songs aus und schwelgen, die Gläser mit dem Gin Tonic in der Hand, in Erinnerungen – an den Camino, an unsere Jugend. Wir reden bis weit nach zwei Uhr nachts, obwohl Ben morgen bereits um sechs los muss. Aber wir sehen uns heute wohl zum letzten Mal, und das müssen wir ausnutzen. Irgendwann ist alles gesagt. Irgendwie auch nichts.

Wir versprechen, uns wiederzusehen, vielleicht sogar den Camino del Norte nächstes Jahr zusammen zu gehen. Vielleicht besucht er mich in Hamburg. Vielleicht treffen wir uns bei Tina in Stockholm. Wer weiß das schon. Dieses Leben ist aktuell noch weit weg. Als er die Tür endgültig hinter sich zuzieht, muss ich zum x-ten Mal heute weinen.

Mein Camino ist vorbei. Zeit, Abschied zu nehmen. Ich bin froh, dass mir noch ein paar Tage Zeit bleiben, bevor es nach Hause geht. Ich bin noch nicht bereit. Morgen werde ich gar nichts machen, außer mir die Stadt anzuschauen und übermorgen fahre ich dann mit dem Bus nach Finisterre und bleibe dort eine Nacht.

Zeitreise:

Vorwärts: Nach so vielen Eindrücken und so unterschiedlichen Emotionen, fragst du dich, wie es mit mir weitergeht? Dann fahr doch noch mit von Santiago nach Finisterre und kämpfe dich mit mir durch das Tal der Trauer, tanze vor der Kathedrale und sei dabei, wenn Barbie Girl einen Bikini verbrennt, um endlich an- und hoffentlich bald wiederzukommen.

Rückwärts: Du hast nicht mitbekommen, wie sich unser Stimmungstief gestern schon ankündigte? Dann geh noch mal mit mir von Ribadiso nach Pedrouzo und erlebe das Schnarchkonzert der kleinen Dame, meine Hauptrolle als Dornröschen und den Anfang vom Ende.

Du bist hier heute durch Zufall gelandet und möchtest das Abenteuer von Anfang an erleben? Dann geht es hier entlang.

Kommentare und Ergänzungen

Bist du selbst den Jakobsweg gelaufen? Wie war die Ankunft vor der Kathedrale für dich? Hast du gefeiert oder getrauert? Warst du allein oder in der Gruppe? Und hattest auch du vielleicht einen ganz besonderen Moment in der Pilgermesse? Warst du vielleicht sogar mit mir auf diesem Stück unterwegs? Hast du noch etwas zu ergänzen oder zu korrigieren? Was hat dir an der Etappe gefallen, was eher nicht so? Ich freue mich wie immer über deinen Kommentar.

Ich muss das weitersagen

13 Gedanken zu „Camino Frances #40: Von Pedrouzo nach Santiago&8220;

  1. Und ich wäre auch so gern dabei gewesen <3
    Aber meine Knochen wollten halt lieber, dass ich 2017 nochmal laufe und wieder so tolle Menschen wie dich kennenlerne.
    Ich bin froh, dass wir unser Wiedersehen seitdem regelmäßig in Deutschland feiern 😊
    LG

    1. Wer weiß – vielleicht sitzen wir doch noch eines Tages gemeinsam vor der Kathedrale! Das war ja weder dein noch mein letztes Mal! So ein Geschenk, dich da getroffen zu haben 😘

      1. 😘 das kann ich nur zurück geben.
        Irgendwann sitzen wir bestimmt mal gemeinsam da. Und wenn nicht in naher Zukunft, dann spätestens wenn wir in Rente gehen und gaaaaaanz viel Zeit haben 😄

  2. Liebe Audrey,

    was für ein krönender Abschluß…. Ich habe viele deiner tollen Berichte gelesen und möchte dir von Herzen danken, dass du die Leser (also auch mich) noch einmal mit auf den Weg genommen hast. Ich bin 2017 von SJPDP gegangen und nach 5 Wochen und 3 Tagen in SdC angekommen. Und ich habe nahezu exakt die gleichen Gefühle/Erlebnisse/Bekanntschaften gemacht: Die wechselnde „Camino Family“, die Alptraumpilger, die Euphorie-Momente, die Tiefpunkte, die Schnarcher… Ich habe so oft gedacht „wie bei mir…..“. Und auch das Ankommen habe ich ähnlich empfunden: Die letzten Tage gebummelt, um nicht ankommen zu müssen – alleine durch das Tor auf den Platz – diese unerklärliche Leere – die Tränen in der Pilgermesse – das große Wiedersehen mit vielen Wegbegleitern in SdC (auch mit einigen, die schon aus Fisterra zurückgekommen sind) – die Feiern in der Tapas-Bar – um 3:30 Uhr morgens ganz alleine barfuß in der Mitte des Kathedralenplatzes mit meiner liebsten Mitpilgerin zu tanzen…. Obwohl es nun schon 18 Monate her ist denke ich immer wieder gerne daran zurück und schaue verträumt auf die Fotos. Und deine tollen Berichte sind eine unheimlich schöne Brücke, mich wieder in Gedanken an diese tollen Orte zu machen. Danke dafür!

    Und ein letztes noch: Ich glaube, wir beide hätten viel Spaß gehabt, wenn wir uns unterwegs getroffen hätten. Vielleicht einmal auf einem anderen Weg….

    Liebe Grüße vom Niederrhein in den Norden
    Marcus

    1. Oh Mann, Marcus, wieso bist du nicht ein Jahr früher gelaufen? Das wäre es doch gewesen – die Zwei vom Niederrhein auf großer Wanderschaft. Aber gut, ein Jahr später war ich von Porto unterwegs und du hast deine eigenen Erfahrungen gesammelt.

      Ich höre aus deinen Zeilen genau das raus, was auch ich fühle und was ich versucht habe, irgendwie über meine Posts zurückzutransportieren. Mein Gefühl ist, dass gerade die Leser, die selbst den Weg gegangen sind, sich da noch mal ganz anders wiederfinden. Egal wie unterschiedlich wir sind, so ähneln sich unsere Erlebnisse doch.
      Ich lese z.B. gerade bei Kris (https://caminoalarm.wordpress.com/) mit und verfolge begeistert, wie er an so vielen, mir bekannten Plätzen vorbeikommt und erwische ihn bei so vielen, mir bekannten Gedanken 🙂

      Und ich wünsche mir, dass Blogs wie meiner vielleicht dem ein oder anderen Unentschlossenen den letzten Schub geben und denen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht selbst loskönnen, ein ungefähres Gefühl davon, wie es sich anfühlt.

      Danke noch mal für deine lieben Worte – vielleicht laufen wir uns ja ein anderes Mal über den Weg. Oder bleibt es bei dir eine einmalige Sache mit dem Camino?

      Liebe Grüße in die alte Heimat,
      Audrey

    1. Hey Steffi, danke dir, das weiß ich zu schätzen 🙂 Keine Sorge, es wird hier auch weiterhin sonntags was zu lesen geben. Noch 2-3 Camino-Frances-Nachwehen und dann kommt vermutlich erst mal der Hexenstieg an die Reihe. Ich brauche nach fast einem Jahr wohl etwas Abstand von diesem ersten, emotionalen Baby 😉 Und danach erwischt es vermutlich den Camino ab Porto.
      Danke dir fürs Mitlesen – Audrey

  3. Hallo Audrey, ich bin noch nicht in Santiago angekommen. Leider oder zum Glück, ich weiß es noch nicht. Mein schönes Zielerlebnis hatte ich bisher in Veseley. In der Kathedrale gab es einen Gottesdienst mit gregorianischen Gesängen, sehr ergreifend. Werde ich noch von berichten. Noch muss ich durch halb Frankreich und das Stück in Spanien. Habe nur immer Max. 3 Wochen Zeit, aber auch eine Menge anderer Urlaubspläne. Bin selbst gespannt, ob ich es noch schaffe, denn Spanien will ich am Stück laufen.
    Viele Grüße an alle anderen Pilger auf dieser Seite
    Thomas

    1. Hallo Thomas, ich kann mir vorstellen, dass der Gottesdienst sehr besonders war. Ich hatte im Kloster Engelport auf dem Mosel-Camino das Glück, gregorianischen Gesang zu hören, noch dazu von Frauen. Das hat ja wirklich Seltenheitswert. Das hat mich so in seinen Bann geschlagen, dass ich auf dem Boden saß und mich nicht getraut habe, Bescheid zu geben, dass ich da bin (https://audreyimwanderland.com/2017/11/04/etappe2/)
      Dir weiterhin gute Teil-Strecken – irgendwann bist du da! – und viele Grüße, Audrey

  4. Hey! Ich möchte dir gerne danke sagen. Ich habe begonnen zu lesen, als ich meinen Camino geplant habe (bin Ende August 2018 gestartet und war 6 Wochen unterwegs – inkl. Finesterre und Muxia) und lese jetzt weiter und fühle mich durch deine tollen Erzählungen wie live zurück am Camino.

    Ich kann so vieles nachvollziehen, die tollen Menschen und Begegnungen; die Schnarchkonzerte und deren Anführer :-); deine Gefühle und Empfindungen… Für mich war das auch eine meiner tollsten Erfahrungen und ich bin so dankbar, diesen Weg gegangen zu sein und ich bin so dankbar, deinen Blog gefunden zu haben, denn du beschreibst das alles so toll.

    Den Moment, in Santiago anzukommen und irritiert zu sein, kann ich auch sehr gut nachvollziehen. Bei mir war ein Oldtimermeeting am Platz und alles war voller Autos und ich hab die Kathedrale erst gar nicht gesehen 🙂 Ich glaube, man stellt sich den Moment irgendwie so krass vor und er stellt sich als so herrlich normal raus und ich finde, darum gehts auch so am Camino – Es geht um den Weg und um jeden Schritt und ein Ziel in dem Sinn gibt es nicht, finde ich. Denn der eigentliche Camino beginnt erst danach 🙂

    Für mich war es total gut, noch weiterzugehen, da konnte ich den Camino für mich gut abschließen und ich freue mich schon sehr, deinen Eintrag zu Finsterre zu lesen.

    Ich glaube, wir hätten uns sehr gut verstanden, ich hab da so ein Gefühl 🙂
    Wer weiß, vielleicht treffen wir uns eines Tages auf einem der vielen tollen Wege auf der Welt? Ich würde mich sehr freuen.

    Lieben Gruß und schönen Tag, Sarah

    1. Liebe Sarah,
      Herzlichen Dank für deinen tollen, ausführlichen Kommentar. Ich glaube, die wenigsten Leser haben eine Ahnung davon, wie sehr ich mich freue, wenn es Reaktionen gibt.
      Als ich mit dem Blog angefangen habe, ging es mir darum, den Mosel-Camino und Rheinsteig als Fernwanderung mit allen Höhen und Tiefen zu schildern, weil ich dazu nur wenig selbst gefunden hatte. Ich hatte mich in Blogs wie meinem eigenen schlau gelesen für den Camino.
      Als ich damit durch war, kam die große Frage: braucht es wirklich noch einen Blog über den Camino Frances? Will ich dieses sehr persönliche Erlebnis teilen? Die Antwort war schnell gefunden. Ja, das will ich.
      Und ich habe mich jede Woche gefreut, noch mal auf den Weg zu gehen, war erstaunt, wie viel ich nach 2,5 Jahren noch genau erinnerte und dann absolut überwältigt von der Resonanz.
      Die Vorstellung, dass du meine Beiträge genutzt hast, um dich auf deinen Weg vorzubereiten, ist total erfüllend für mich und freut mich sehr. Danke, dass du es mich wissen hast lassen!
      Und wie du schon sagst, vielleicht begegnen wir uns auf irgendeinem anderen Weg. Ich würde mich ebenfalls sehr freuen – dann musst du mir allerdings Bescheid geben, denn du (er)kennst mich ja offensichtlich besser als ich dich 😉

      Alles Liebe,
      Audrey

Und was sagst Du?