Camino Finisterre #3: Von Olveiroa nach Corcubion

0
Camino Finisterre - Tag 3: Von Olveiroa nach Corcubion #caminodesantiago #camino #caminofinisterre #Santiago #Fisterra #Finisterre #fernwanderung #wandern #spanien #pilgern #santiagodecompostella #outdoor #reiseblogger #wanderblog #reiseblog #läuftbeiihr

Tag 15 auf dem Jakobsweg geht vom Arsch der Heide fast bis ans Ende der Welt und ist geradezu märchenhaft mit vernebelten Sinnen, himmlischen Chören, spirituellen Geschenken, einem Wunschbrunnen und zwei Koteletts für fünf Esser (17. Mai 2017, 23 Kilometer)

Für den letzten „richtigen“ Pilgertag stehe ich noch mal etwas früher auf. Vor mir liegen entspannte 20 Kilometer bis nach Cée. Um halb acht geht es los.

Ich erinnere mich noch gut an diesen Ort. In Cée machte letztes Jahr mein Bus einen Zwischenstopp, und ich weiß noch, dass er durch das Glas des Fensters ansprechend zu mir durchschien.

The times they are a changing

Ein Jahr später bin ich also tatsächlich wieder hier. Diesmal zu Fuß. Als ich letztes Jahr im Bus saß, hatte ich mein Handy griffbereit in der Hand. Ich war im Liveticker mit Ben aus Schweden, der am Vortag abgereist war. Ich schrieb, wie schön die Welt hinter Glas wäre und dass ich diese Strecke unbedingt im nächsten Jahr zu Fuß gehen wolle. Am liebsten mit ihm.

Die Zeiten haben sich geändert. Heute bin ich allein hier. Den Kontakt zu Ben habe ich abgebrochen. Aber auf diesem Camino war er immer mal da, und gerade auf den Kilometern der letzten Tagen läuft er manchmal wie ein Geist neben mir her. Wie so häufig frage ich mich auch heute, wie es ihm wohl geht. Unternimmt er etwas gegen seine große Traurigkeit? Hat er zu seiner Camino-Person zurückgefunden oder steckt er nach wie vor in seinem alten Leben fest?

Die Sinne sind vernebelt

Ich verscheuche die Geister der Vergangenheit und breche in den frischen Tag auf. Es geht aufwärts, denn mich erwartet ein Höhenweg, der einen traumhaften Blick auf das Flusstal offenbart. Wolken liegen wie Wattebäuschchen über dem Wasser.

Um mich herum blühen Heide und Ginster. Ich fühle mich wie ein ausgemachter Glückspilz, denn ich habe die ganze Herrlichkeit für mich.

Eine Stunde später kann ich kaum noch die Hand vor Augen sehen. Quasi aus dem Nichts ist dichter Nebel aufgezogen. Eben noch Bauklötzchen gestaunt, heißt es jetzt stochern im Nebel.

Gott sei Dank verpasse ich nicht das Café, das für die nächsten 15 Kilometer das Letzte seiner Art sein wird. Ich genieße meinen Kaffee und das Bocadillo mit Käse-Omelette und grinse beim Gedanken an Toni, der immer wieder vergeblich versucht hat, mir genau diese Köstlichkeit zu organisieren. Komisch – kaum bin ich ohne ihn, klappt es.

Grau in Grau

Die nächsten drei Stunden sehe ich maximal fünf Meter weit. Fotos sind daher eher sinnlos. Der Nebel gibt dem Ganzen zwar eine wundervoll mystische Stimmung, wird aber spätestens an dem Punkt abenteuerlich, als mich fast ein Autofahrer in einem Kreisverkehr übersieht. Mein Spaßfaktor steigt, als ich die nächsten Meter direkt auf der Landstraße laufen muss. Erleichtert rette ich mich anschließend in die Heide. Die Pfeile sind nicht ohne weiteres auszumachen.

Von hier hat man übrigens einen tollen, ersten Blick aufs Meer, schreibt mein Reiseführer. Ich muss ihm wohl einfach glauben, denn sehen ist keine Option.

Auch wenn ich mir diesen Abschnitt anders vorgestellt hatte, genieße ich jeden Schritt in der alles verschluckenden Stille.

Cruz de Ferro für Arme

Der Camino führt mich an einem mit Steinen beladenen Kreuz vorbei. Es wirkt wie ein recht armseliger Abklatsch des legendären Cruz de Ferro auf dem Camino Frances. Keine Ahnung, ob dieses Exemplar eine besondere Bedeutung hat, aber mir scheint es genau der richtige Platz, um einen Stein abzulegen, den ich in Porto aufgehoben habe, weil er so schön glitzerte. Ich lege ihn an den Fuß des Kreuzes und wünsche mir, von sämtlichen Lasten befreit weitergehen zu dürfen.

Und tatsächlich, irgendetwas machen diese symbolkräftigen Gesten mit einem. Ich fühle mich jedenfalls frisch, leicht und frei, als ich weitergehe, so wie eigentlich schon die ganzen letzten Tage, seit ich entschieden habe, meinen Job zu kündigen. Es fühlt sich fast an, als würde ich innerlich hüpfen.

Die Fröhlichkeit scheint sich auch nach außen Bahn zu brechen. Ich erspähe einige Meter vor mir im absoluten Nichts einen provisorisch aufgebauten Stand, der Getränke verkauft und muss grinsen, als mir der Pilger im roten Poncho zuwinkt.

Noch eine weitere Stunde taucht der Nebel alles in sein milchiges Licht. Lediglich die blau-gelben Wegweiser, der pinkfarbene Fingerhut und der leuchtend gelbe Ginster versuchen am Wegesrand ein paar Farbtupfer zu setzen.

Cée sehen und gehen

Um kurz nach zwölf hat der Nebel ein Einsehen und verzieht sich zumindest so weit, dass ich mein Tagesziel Cée ausmachen kann. Es liegt gemütlich in seiner Bucht. In einer Dreiviertelstunde sollte ich da sein.

Und genauso kommt es. Es wird sogar noch besser, denn in Cée angekommen, meldet sich die Sonne zurück. Ich lasse mich gleich am Hafenbecken auf eine Bank nieder und genieße den Ausblick.

Das soll es für heute gewesen sein? Es ist gerade mal 13 Uhr, und ich bin noch absolut fit. Um nichts zu überstürzen, peile ich ein Café an. Dort teile ich mir mit einer Dänin um die 60 erst einen Tisch und wenig später ein Gespräch. Bente ist in Sarria gestartet und hat die letzten 100 Kilometer bis Santiago erlaufen. Es ist ihre Camino-Premiere. Sie wollte erst einmal prüfen, ob ihr dieses Jakobsweg-Ding liegt. Tut es. Sie ist völlig begeistert.

Ob wir heute gemeinsam bis Finisterre pilgern wollen, fragt sie. Ich bin absolut unentschlossen. Bis zu meinem Rückflug habe ich ausreichend Zeit, und über 30 Kilometer möchte ich eigentlich nicht erneut machen. Aber jetzt bereits das Laufen für heute einstellen, will ich auch nicht. Ich gestehe meine Unentschiedenheit, und sie lacht. Ich könne sie ja einfach so weit begleiten, wie ich Lust hätte. Es müsse ja nicht bis ans Ende der Welt sein.

Ich habe derweil einen Geistesblitz. Begonia, die nette Hospitalera aus dem Kloster in Herbón, hat mir erzählt, dass ihre Organisation auch eine Unterkunft hinter Cée betreibe. Wissend, dass der dortige Aufenthalt zu einem meiner Schönsten zählte, möchte ich zumindest einen Blick auf die besagte Albergue werfen. Ich werde losgehen und unterwegs bestimmen, wo ich bleibe. Das ist doch eigentlich genau das, was ich am Camino so liebe.

Kopf aus, Bauch an

Und so kaufe ich schnell noch ein wenig Obst – man weiß ja nie, wie lange ein Tag dauert. Dann laufen Bente und ich los. Unser Gespräch ist bereits innerhalb kürzester Zeit bei den Fragen nach dem Warum. Warum der Jakobsweg?

Auf dem Weg nach Finisterre
Immer gut, wenn man jemanden dabei hat, der Fotos machen kann, vor allem auf solchen Schleichwegen.

Sie erzählt mir, dass sie sich vor sechs Jahren hat scheiden lassen, dass ihre Kinder zwar schon groß waren, aber trotzdem sehr unter der Trennung gelitten hätten. Sie hätte schon lange vom Camino geträumt, aber ihr habe schlicht der Mut gefehlt, ihre Komfortzone zu verlassen. Und nun stelle sie fest, es sei das Beste, was sie seit langem getan habe. Wenn der Bauch solche Signale sende, solle man darauf hören.

Auf dem Weg nach Finisterre
Kirche hinter Cée

Viel zu schnell stehen wir vor meiner Herberge. Sie liegt ein wenig außerhalb, umgeben von einer riesigen Rasenfläche mit Bäumen. Um sechzehn Uhr wird geöffnet, verrät ein Schild. Das ist erst in zwei Stunden. Ich horche noch mal kurz in mich hinein.

In drei bis vier Stunden könnte ich in Finisterre sein. Oder bleiben und warten. Der Satz meiner dänischen Begleitung schießt mir durch den Kopf, als mein Bauch laut und vernehmlich sagt, ich solle bleiben. Also Kopf aus, Bauch an, bleiben.

Tschechische Weissagung

Ich schlendere über das Gelände, auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen. Auf einer Bank sitzt jemand, und ich frage ihn auf Englisch, wie viele Leute bereits hier seien. Nur sie beide, gestikuliert der Herr. Erst da fällt mir auf, dass jemand der Länge nach auf der Bank liegt, den Kopf in seinem Schoß. Diese Person schaut nun auf, und da erkenne ich Hana, meine zauberhafte, tschechische Badezimmerbekanntschaft von gestern.

Wir fallen uns lachend um den Hals. Immer wieder verrückt, wie schnell man sich vertraut vorkommt. Ich entschuldige mich bei Dan, ihrem Mann, dass ich ihn nicht erkannt habe. Wir kommunizieren in einer wilden Mischung aus Englisch (Hana), Deutsch (Dan) und Händen und Füßen (alle).

Hana legt sich noch mal hin, Dan entspannt, und ich schnappe mir mein Tagebuch. Ich habe noch acht (!) Tage aufzuholen. Damit habe ich gut zu tun, und die Zeit vergeht wie im Flug, während die Herbergskatze um meine Beine schnurrt.

Camino Sprachkurs

Punkt 16 Uhr fährt ein kleines Auto vor, dem Antonio entsteigt, seines Zeichens Hospitalero. Wie schon in Herbón ist der Empfang auch hier wahnsinnig herzlich. Unser Herbergsvater möchte seine freiwillige Zeit als Bildungsurlaub nutzen und bittet uns, die Wörter Hallo und Tschüß, Danke und Willkommen in unserer jeweiligen Sprache aufzuschreiben. Hana schreibt die tschechische Variante, Dan die deutsche und ich wähle Niederländisch.

Camino-Sprachkurs

Als wir nach dem Betten beziehen beim Kaffee zusammensitzen, erzähle ich Hana und Dan, dass ich einen Teil meines Caminos mit Krystina, einer wundervollen Landesgenossin von ihnen, gelaufen sei. Ja, na klar, die würden sie kennen, sagen sie, als ich ihnen ein Bild von Tina zeige. Sie hätten sie im Pilgerbüro getroffen.

Endlich fällt der Groschen. Tina hatte erzählt, dass sie ein tschechisches Paar getroffen habe, das so herzallerliebst sei, dass sie überzeugt war, dass ich ihnen auf dem Weg nach Finisterre begegnen würde. Et voilá – hier sind die beiden. Fast hätte ich sie verpasst, und die Prophezeiung wäre nicht in Erfüllung gegangen.

Auf Tuchfühlung mit dem Papst

In Herbón waren sie ebenfalls, und nun, da sie das erzählen, erinnere ich mich, dass Begonia sagte, Tina sei bereits die dritte Tschechin innerhalb von einer Woche. Die beiden müssen aber einige Tage vor uns dort gewesen sein. Hanas Augen beginnen zu strahlen. In der Tat, sie seien bereits deutlich vor uns in Santiago angekommen.

Von dort wären sie mit dem Bus nach Fatima gereist, dem portugiesischen Wallfahrtsort, der vergangenen Freitag, genau 100 Jahre nach der Marienerscheinung vor den beiden Hirtenkindern, vom Papst besucht wurde. Sie wären so nah an Franziskus gewesen, dass sie ihn hätten berühren können, erzählen mir die beiden. Wow, das ist mal eine Geschichte. Die kommt gleich in mein Tagebuch, denn Zeit zu schreiben, finde ich auch noch.

Zwei Koteletts, vier Pilger

Als noch ein weiterer Pilger auftaucht, ein ausgemergelter, älterer Spanier namens Juan, wird unser Hospitalero nervös. Er hat nur zwei Koteletts im Haus und fürchtet, dass wir nicht satt werden, während Hana, Dan und ich das ganz entspannt sehen. Die Herberge läuft auf Spendenbasis, da erwarten wir gar nichts. Es wird schon reichen.

Juan, Antonio, Dan und Hana – 5 Freunde für einen Abend

Wenig später sitzen wir am Tisch. Hana fragt, ob sie das Tischgebet sprechen dürfe. Kurz darauf betet sie in ihrer Sprache um Gottes Segen. Wie schon bei Krystina registriere ich fasziniert ihre tiefe Gläubigkeit und die Wärme, die sie ausstrahlt, als sie uns einen gesegneten Appetit wünscht.

Überhaupt bin ich absolut schockverliebt in die beiden Osteuropäer. Sie sind unglaublich herzlich, witzig und nehmen sich selbst nicht wichtig. Man fühlt sich gleich wahnsinnig willkommen. Hätten die beiden eine Albergue, ich würde nie wieder ausziehen.

Zur Adoption freigegeben

Spirituelle Erfahrungen in der Herberge

Nachdem wir uns Gemüsesuppe, Salat und Kotelett-Stücke haben schmecken lassen, erzählt Antonio auf gebrochenem Englisch von seinen Erlebnissen als Hospitalero, wir im Gegenzug von unseren Caminos. Er bittet uns, ihm zu folgen. Er habe zwei spirituelle Erfahrungen für uns im Angebot.

Neugierig folgen wir ihm nach draußen und verlassen das Gelände der Herberge. Nach ein paar Metern auf dem Camino erreichen wir ein schönes, schmiedeeisernes Tor, durch das man bereits Finisterre sehen kann.

Auf dem Weg nach Finisterre
Der Eingang zum Wunschbrunnen

Hier gibt es die tollsten Sonnenuntergänge, erzählt der Mexikaner. Nur leider seien wir dazu eine Stunde zu früh dran.

Hinter dem Tor wartet ein Brunnen auf uns. Nicht irgendein Brunnen, erklärt Antonio, das sei ein Wunschbrunnen. Wir dürften uns etwas wünschen, wenn wir einen Schluck nähmen. Bei so etwas sage ich natürlich nicht nein und nehme sicherheitshalber gleich zwei Schluck: einen für die Liebe und einen für Spaß im neuen Job.

Zurück in der Herberge folgt unsere spirituelle Erfahrung Nummer Zwei: Pacharan, ein Pflaumen-Anis-Schnaps, der von Antonios Vater angesetzt wurde. Der Herr ist vor einem Jahr verstorben, und Antonio gedenkt seiner jeden Abend mit den Pilgern, so lange der Vorrat reicht.

Cheers, auf Papa

Spontanes Kammerkonzert

Hana legt ihren Arm um Antonio, als er traurig an seinen Vater denkt und erzählt, dass sie jeden Abend für ihre verstorbene Mutter singe. Und dann singt sie ohne weitere Ankündigung nicht nur für ihre Mutter, sondern auch für uns. Ihre wundervolle Stimme klingt durch den Raum, und jeder von uns ist ergriffen, dass sie diesen besonderen Moment mit uns teilt.

Als wir uns alle wieder so weit sortiert haben, frage ich die Tschechin, ob sie nach Noten singen könne. Zu gern würde ich mein Camino-Lied mit ihr singen, es sei ein Kanon. Ich suche die Noten zu Dona Nobis Pacem im Netz und werde schnell fündig. Das Lied hat mich den ganzen Weg über begleitet. So oft habe ich es gesungen, wenn ich alleine lief. Nun möchte ich es teilen.

Wenig später singen wir den Kanon gemeinsam. Ich kann gar nicht beschreiben, was es mit mir macht. Unsere Stimmen passen hervorragend zusammen, und ich möchte gar nicht mehr aufhören, so sehr ergreift es mich. Das ist jedoch offensichtlich nichts im Vergleich zu dem, was mit unseren drei Zuhörern passiert ist. Die drei Herren wischen jedenfalls anschließend alle verdächtig an ihren Augen. (Wer den Kanon nicht kennt, hört mal hier – ab 01:30 wird es zweistimmig).

Juan lässt Antonio übersetzen, dass er eine Gänsehaut hatte, und Antonio selbst sagt, das sei einer der bewegendsten Momente in seiner diesjährigen Hospitalero-Zeit. Und Dan? Der schaut seine Frau so stolz und voller Liebe an, dass ich fast schon wieder weinen könnte.

Viva la vida

Zum Abschluss dieses tollen Abends hat Antonio noch eine Überraschung – die Unterkunft ist wirklich wie Weihnachten. Er hat zwischen Folie gepresste Blumen, Blätter und Gräser angefertigt. Wir dürfen uns jeder ein Exemplar aussuchen.

Ich wähle Bougainville, die er aus Mexiko mitgebracht hat. Außerdem bekommt noch jeder einen kleinen Stein, auf den ein gelber Pfeil gemalt wurde. Beide Mitbringsel habe ich bis heute aufbewahrt.

Bevor wir ins Bett gehen, holt der Hospitalero seinen Computer und lässt Coldplay’s Viva la Vida in der Version von David Guetta und mit spanischen Untertiteln für uns laufen. Das sei für ihn die Essenz des Lebens, wir sollten uns den Text unbedingt mal in unsere Sprache übersetzt durchlesen.

Viva la Vida

Das habe ich heute, zwei Jahre später dann mal pflichtschuldigst nachgeholt, aber bis auf den Titel „Es lebe das Leben“, dem ich uneingeschränkt zustimmen kann und den ich auch damals schon verstand, finde ich wenig Erhellendes in Coldplay’s Geschichte des Herrschers, der auf sein Leben zurückschaut und bereut, gelogen und gewütet zu haben und der von daher wohl nicht an Petrus‘ harter Tür vorbeikommen wird. Aber wer weiß schon, was Antonio so auf dem Kerbholz hat.

Der schließt unseren Abend mit einer ganz besonderen Danksagung: „Herr ich danke dir, dass zwei Koteletts für fünf Menschen reichen.“ Seine Gäste brechen in schallendes Gelächter aus. Dann geht es ins Bett.

Ich freue mich jetzt schon auf morgen Abend, wenn ich mit einer Flasche des Rotweins, den mir Schwede Ben letztes Jahr gezeigt hat, auf dem Felsen sitze und der Sonne beim Untergehen zusehen darf. Dann ist auch dieser Camino im wahrsten Sinne des Wortes gelaufen, und ich bin in so anderer Verfassung als letztes Mal.

In Portugal fing der Caminho übel an, mit all meinem Ärger, Frust und der Unzufriedenheit. In Spanien löste sich diese immer mehr in Wohlgefallen auf und führte zu einem wichtigen Beschluss, den ich auf dem Weg nach Finisterre noch weiter bekräftigt habe. Auch auf diesem Weg hatte ich reizende Menschen um mich, und einmal mehr bin ich glimpflich davongekommen. Wenn man von meiner komischen Wanderkrätze einmal absieht, gab es keine beklagenswerten Blessuren. So langsam freue ich mich tatsächlich auch auf Zuhause. Es wird Zeit zu kündigen. Viva la Vida.

 

Kommentare und Feedback

Mein Duett mit Hana gehört zu meinen liebsten Camino-Erinnerungen. An welchen Moment wirst du dich immer gern erinnern?

Warst du selbst auf dem Camino Finisterre unterwegs und kennst die heutige Etappe? Bist du vielleicht auch in meiner Herberge gelandet? Was hast du hier erlebt? Möchtest du sonst irgendetwas loswerden?

Ich freue mich wie immer sehr, wenn du es mir erzählst.

Zeitreise

Vorwärts: So kurz vor dem Ziel möchtest du nun auch beim Finale dabei sein? Dann geh mit mir von Corcubion nach Fisterra zu Klängen von REM und Alanis und erlebe tschechisches Hase-und-Igel, einen Kavá-Klatsch, ein Duett mit mir selbst und meinen Schutzengel in Nachtschicht.

Rückwärts: Du fragst dich, wie ich Hana und Dan kennengelernt habe? Dann komm doch noch mal mit von Negreira nach Olveiroa und triff schlechtgelaunte Erleuchtete, Cowgirls und saudi-arabische Vorruheständler.

Zurück auf Los: Du bist hier zufällig gestrandet und hast den eigentlichen Weg gar nicht verfolgt? Dann komme dich noch mal mit auf den portugiesischen Caminho oder biege mit mir auf den Camino Frances ab.

Ich muss das weitersagen
0

7 Gedanken zu „Camino Finisterre #3: Von Olveiroa nach Corcubion&8220;

    1. Ach, Marie, ich freu mich immer, dass du dich freust. Wie soll das erst werden, wenn der Norte an der Reihe ist und du uns dort noch mal begegnest?

  1. Nur wenn man loslässt können wir Neues erleben festhalten ggf in Erinnerungen.
    Dona nobis pacem hab ich auch gesungen, auch einmal zum Abendgebet. Ich war überrascht wie unbekannt der Kanon wohl außerhalb von Deutschland ist, trotz des latainischen Textes. Aber in den spirituellen Herbergen ist der Geist des Camino sehr spürbar.

  2. Liebe Audrey,

    Dona nobis pacem – das werde ich mir für meine nächste Wanderung sehr gern mitnehmen!
    Ich liebe den Canon und hoffe, auch mal jemand zu finden, der/die ihn mit mir singt!
    Wie schön, solche Menschen zu treffen!
    Ich hoffe, Deine Wünsche vom Wunschbrunnen sind in Erfüllung gegangen!

    Herzliche Grüße
    Renate

    1. Liebe Renate, ich wünsche dir vom Herzen eine singfreudige Camino-Bekanntschaft. Das war wirklich sehr besonders.
      Was den Wunschbrunnen anbelangt, hätte ich vielleicht konkreter beim Timing sein sollen. Der Spaß am Job kam nach einem Jahr, auf die Liebe warte ich noch 😉

  3. Liebe Audrey, ja – es gibt sie – diese Momente die man im Herzen behält. Und wenn man dann wieder im Alltag und im „Trott“ ist, dann kramt man diese hervor und alles geht etwas leichter von der Hand.
    Das mit dem Singen überlasse ich lieber anderen – ich habe dieses Jahr in Paderborn von der Mutter einer Freundin – die ich beide auch beim Wandern kennengelernt habe – in einer kleinen Kapelle ein Geburtstagsständchen bekommen – das war definitiv ein ganz besonderer Moment.

    Bis nächsten Sonntag – sei gut zu dir.

Und was sagst Du?