Die gute Luft nach oben – 2020, ein Jahresrückblick

Von Engeln und Achterbahnen, mangelndem Esprit im Hamsterrad und einem Leben als Igel, von geplatzten Träumen und der Kunst, Pläne zu ändern, von Nord- und Süddeutschland, Weihnachtsbotschaften und Jahresrückblicken und der überoptimistischen Ankündigung, dass es ab jetzt steil nach oben geht. Mach es gut, 2020!

Seit Tagen juckt es mir in den Fingern. Es kribbelt in ihren Spitzen. Mein Bauch veranstaltet ein seltsames Ziehen, fast schon ein Nagen. Und dann ist da noch mein Kopf, durch den immer wieder Satzfragmente wie Blitze jagen. Es wird Zeit, endlich mal wieder einen Beitrag zu schreiben, denn ich habe gute Nachrichten.

Ich sehe Licht – Willkommen im Jetzt

Die frohe Kurz-vor-Weihnachtsbotschaft

Ja, Freunde der Sonne, auch in diesem Jahr gibt es sie, die guten Nachrichten. Man muss nur etwas genauer hinschauen. Heute ist Heiligabend, und ich möchte an die gute, alte Botschaft des Engels anknüpfen, ohne die Weihnachten kein Weihnachten wäre, wenn er vor den Hirten fröhlich herausposaunt: „Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude.“

Dem kann ich mich, wenn auch nicht sonderlich engelsgleich, anschließen und ebenfalls eine große Freude herausposaunen. Es ist geschafft. Seit Montag werden die Tage wieder länger. Das Licht am Ende des Tunnels mag zwar noch nicht heller leuchten, aber immerhin ab jetzt jeden Tag ein wenig früher.

Gut, mag mancher denken, das ist jetzt nicht so ein Happening. Passiert jedes Jahr um diese Zeit. Ja, das stimmt, aber ich stelle für mich fest, dass ich den kürzesten Tag des Jahres noch nie so sehr herbeigesehnt habe wie in dieser Woche. Nach einem Jahr wie 2020 fühlt es sich für mich anders an, besonderer.

Das Wissen um die länger werdenden Tage hat etwas enorm Erleichterndes, denn es zeigt mir, dass wir eine weitere Runde auf der 2020er Achterbahn geschafft haben. Der Frühling ist zwar noch in weiter Ferne, aber wir marschieren unaufhaltsam auf ihn zu.

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Ich sehe eine Menge Licht – wie auch bei den zahlreichen Sonnenuntergängen in diesem Jahr.

Die jetzige Phase wirkt auf mich wie der Anbruch einer neuen Zeit. Endlich ein Silberstreif am Horizont, die kleine Hoffnung, dass sich Dinge nun sukzessive ändern werden, wir uns perspektivisch ein Stück weit unserem vertrauten Leben nähern dürfen, diesem kleinen Viralkacker, der so lange die ungeteilte Aufmerksamkeit genossen hat, mit der Impfung ordentlich in den Hintern treten werden.

Dieses Gefühl des Besserwerdens tröstet mich über den vermutlich noch länger anhaltenden, harten Lockdown. Ich hoffe, ich kann euch mitnehmen.

Jede Menge Luft nach oben

2021 muss ein tolles Jahr werden. Im Vergleich zu seinem Vorgänger gibt es so viel Luft nach oben, dass es gar nicht anders sein kann. Dennoch möchte ich mich mit Ausblicken noch ein wenig zurückhalten. Das hat mich 2020 gelehrt.

Vor ein paar Tagen las ich noch einmal meinen Beitrag von Anfang Januar. Ich hatte verkündet, eine Schreibpause einzulegen, weil mich mein eigener Druck, jeden Sonntag zu veröffentlichen, überforderte. Mein Plan für 2020 war „am Wochenende Bücher zu lesen, weite Spaziergänge zu machen, Freunde in Hamburg und in anderen Städten zu besuchen, samstags mal wieder richtig feiern zu gehen, Wochenend-Trips zu veranstalten, Serien zu schauen, nichts zu tun, kurz: mir Zeit zu nehmen.“ 

Winter, Frühling, Sommer und Herbst – die Alster gehörte zu meinen häufigsten Anlaufpunkten.

Nun, genug Zeit konnte ich mir wahrlich nehmen, so wie vermutlich ein jeder von euch. Ich war in keinem Jahr so viel spazieren wie in diesem, wenn auch eher notgedrungen. Es war das Einzige, das man guten Gewissens tun konnte. Zum Serienschauen war ich meist zu müde und samstägliches Feiern oder Wochenendtrips wurden zu ausgeblichenen Ahnenbildern mit ordentlich Patina obendrauf. So viel zu meiner Qualifikation als Nostradamus.

Meine vollmundige Ankündigung, dass 2020 sich „zum besten Jahr, versteht sich“ entwickeln würde, muss ich revidieren. Das beste Jahr war es mit Sicherheit nicht. Doch ich glaube, es war ein Jahr, das seine Berechtigung haben wird und sei es auch nur, um in ferner Zukunft daran zu erinnern, dass alles deutlich schlimmer sein könnte, zum Beispiel so wie damals – in 2020.

Zähe Schattenkämpfe – Die Luft ist raus

Kein Jahr hat mich je so viel Kraft gekostet wie dieses. Es war mehr als befremdlich, als Anfang des Jahres meine Heimat plötzlich in aller Munde war. Die Fallzahlen im Kreis Heinsberg stiegen rasant in die Höhe, und schon bald bangte ich um das Leben eines Familienmitglieds, das wochenlang im Koma lag. Aus der Entfernung nichts tun zu können, war furchtbar, zumal ich mir große Sorgen um den Rest der Familie machte. Gott sei Dank haben es alle überstanden.

Audrey – allein zu Haus

Im März schickte uns meine Firma in einer erfolgreichen Hauruck-Aktion ins Homeoffice. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass das bis heute so bleiben würde. Ich vermisste meine Kollegen, die mich nun aus dem Bildschirm anstarrten schmerzlich, meinen Schreibtisch und die gemeinsamen Mittagspausen gleichermaßen.

Mir ist der Luxus, einen Job zu haben, den man bequem von Zuhause ausüben kann, durchaus bewusst. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass man für sich allein eine schöne, geräumige Wohnung zur Verfügung hat, in der man es gut aushalten kann. Doch sie wurde zum Hamsterrad, in dem ich allein arbeitete, lebte und schlief. Das ständige Alleinsein setzte mir heftig zu und sog jeglichen Esprit aus mir heraus.

Gerade weil ich tagsüber nonstop in Videokonferenzen festhing, fehlte mir abends die Energie, mich auch noch privat ans Telefon zu klemmen oder mich erneut vor den Bildschirm zu setzen. Ich igelte mich ein und war nach Feierabend völlig platt, obwohl ich doch eigentlich nichts gemacht hatte.

In der Isolation wurde mir erstmals bewusst, wie viel Kraft und Inspiration ich aus Begegnungen ziehe, wie häufig ich Menschen anfasse und umarme und wie unglaublich gern und regelmäßig ich Freunde in Bars und Restaurants treffe. Das alles fiel weg. Es fehlte.

Pläne sind zum Ändern da

Es gab so viele Vorhaben, die gecancelt werden mussten. Sei es das Barcamp in Wismar, auf das ich mich als Reunion der 2018er Wolfenbüttel-Gang gefreut hatte, ein Wander-Ostertrip mit meinen Lieblings-Wanderbloggern Björn, Nick, Romy und Sven (alphabetisch sortiert, versteh sich) oder das herbstliche Bloggerwandern in Rheinland-Pfalz. Sie alle fielen dem Lockdown oder den Reisewarnungen zum Opfer.

Eine ebenfalls maue Bestandsaufnahme musste ich hinsichtlich meines für 2020 geplanten Camino Francés Buchs machen. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Ich habe rein gar nichts an diesem Projekt gemacht, auf das ich mich so gefreut hatte. Auch hierzu fehlte es komplett an Inspiration und Antrieb. Nach neun Stunden Arbeit am PC waren weitere Stunden vor dem Bildschirm das Letzte, was ich brauchte.

In den ersten Monaten ging ich deswegen ziemlich hart mit mir ins Gericht. Da hatte ich so viel Zeit zur Verfügung und nutzte sie nicht im Geringsten. In mir stritten Pflichtbewusstsein und Bauchgefühl. Der Kopf verlor, und das war gut so. Ja, ich hatte mir vorgenommen, den Jakobsweg in ein Buch zu packen, aber nein, wenn ich nicht in der richtigen Stimmung war, dann gab es keinen Grund, das nur aus Prinzip auch tatsächlich zu tun.

Pläne sind zum Ändern da. Das sollte meine wichtigste Lektion in diesem Jahr werden.

Glückwärts rückwärts – Meine 2020 Highlights

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wie oben beschrieben, bin ich überzeugt, dass wir den Tiefpunkt hinter uns haben. Und wenn ich etwas genauer hinsehe, war natürlich auch in 2020 nicht alles schlecht. Auch dieses Jahr hielt wundervolle Erlebnisse, bereichernde Begegnungen und prägende Erfahrungen für mich bereit.

Erneut durfte ich mir zwei sehr unterschiedliche Weitwanderwege erlaufen und auch Zuhause lauerte stellenweise das kleine Glück für den, der die Augen aufhielt. Bühne frei für die schönsten Reisemomente des Jahres.

Meditieren und Schweigen – Ein Plan entsteht (Januar & Februar 2020)

Das Jahr startete mit einer ganz besonderen Reise. Camino-Freundin Barbara lud Mitte Januar zur „21 Days of Abundance“-Challenge ein, einer Mischung aus täglicher Meditation und Selbstreflektion. Damit trat ein neuer, ständiger Begleiter in mein Leben. Bis dato hatte ich nie meditiert, doch schnell erkannte ich, wie gut es mir tat, gerade in diesem Jahr. Es gehört im Rückblick zu den Dingen, die mir 2020 geschenkt wurden und die ich gern beibehalten habe.

In einem absolut euphorischen Beitrag schrieb ich über diese Challenge, denn sie führte mich nicht nur näher an mich selbst, sondern schnurgerade zur Planung meiner ersten Wanderung. Inspiriert vom Thema Stille wollte ich mir den Hildegard-von-Bingen-Weg in Rheinland-Pfalz vorknöpfen und ihn mit zwei Tagen Schweigen im Kloster ausgarnieren. Was für eine Herausforderung! Was für ein tolles Projekt!

Begeistert stieg ich in die Planung ein und zwei Monate später wieder aus. Corona wusste das Unterfangen zu vereiteln. Eine Bahnreise quer durch Deutschland konnte ich mir nicht vorstellen, zumal nicht absehbar war, ob Hotels und Pensionen überhaupt geöffnet wären. Meine Enttäuschung war riesig. Die Tour hatte perfekt geklungen, jedes Rädchen ineinander gegriffen. Und nun das. Aus die Maus. Tschüss, Rheinland-Pfalz. Mach es gut, Hildegard. Am Boden zerstört, blies ich vorerst Trübsal.

Kehren vor der eigenen Haustür – Ich erlaufe Hamburg (März-Mai 2020)

Gegen den Frust und das viele Sitzen half nur eins – Laufen. Ich bin immer schon gerne durch Hamburg spaziert und feiere die Tatsache, dass sich gleich vor meiner Haustür drei längere Wandertouren auftun. In der ersten Lockdown-Phase wurden sie meine Dauerbegleiter. Während ich unter der Woche aus dem Arbeiten nicht mehr herauskam, erkundete ich an den Wochenenden die nähere Umgebung zu Fuß.

Vier Jahreszeiten am Eppendorfer Moor

Ich sammelte tonnenweise Fotos blühender Bäume am Alsterufer und war unfassbar dankbar für das gute Wetter und darüber, dass die Natur uns so eindrücklich zeigte, dass das Leben weiterging, dass es immer wieder einen Frühling geben würde.

Frühling am Alsterfleet in Hamburg (Alsterwanderweg zwischen Eppendorf und Ohlsdorf)

Die Bilder sind auch heute, Ende Dezember, ein echter Hoffnungsschimmer. April ist gefühlt übermorgen, die Sonne, die Farben und das Licht werden also schon bald zu uns zurückkommen.

Übergang zum Sommer an und auf der Alster

Öffentliche Verkehrsmittel nutzte ich das erste Mal wieder Ende April. Es war ein seltsames Gefühl, nach so vielen Wochen in der U- und S-Bahn zu sitzen, aber ich wollte unbedingt ins Duvenstedter Brook. Ich liebe diese karge Moorlandschaft im Hamburger Norden und machte dort einen wundervollen, mehrstündigen Spaziergang.

Wanderung vom Wohldorfer Wald ins Duvenstedter Brook.

Auf dem Stormarnweg – Ein Geschenk fällt mir vor die Füße (Juni & Juli 2020)

Die Sehnsucht nach einer längeren Wanderung wurde von meinen Wochenendtouren weiter befeuert, doch nach wie vor kam eine längere Bahnreise nicht in die Tüte. Dass sich mir dann aus dem Nichts der perfekte Weg offenbarte, war einem großen Zufall geschuldet. Auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk stolperte ich über das neue Objekt der Begierde:

„Doch was ist das? Zwischen all den Touren mit Schafen, Schäfern und Schafscheiße blitzt Abwechslung durchs Heidekraut. Im Gebüsch lauert eine Tour mit Fischbrötchen, Korn und Marzipan, eine Tour von Reinbek über Bad Oldesloe nach Lübeck. Eine Tour also, die innerhalb meiner Maskentoleranzgrenze liegt.“ Weitwandern in Norddeutschland: Vorbereitung auf den Stormarnweg

Zack, fiel mir der Stormarnweg vor die Füße. Ihn zeichnete nicht nur die extrem kurze Anreise aus. Er – und das war der Moment, an dem ich ein kleines Wunder erlebte – führte ebenfalls entlang eines Klosters, das Schweigeauszeiten anbot. Ich konnte mein Glück nicht fassen. Schlagartig kamen die gesammelte Freude und mit ihr sämtliche Ängste vor dem Schweigen aus dem Winterschlaf zurück.

Kurz darauf begab ich mich auf die wohl flachste Wanderung aller Zeiten.

Sommer in Norddeutschland – ein Klischee bestätigt sich.

Unterwegs lernte ich schnell, dass ebene Wege oft anstrengender sind als fröhliches Auf und Ab, wurde erstmals von der Angst erfasst, aus körperlichen Gründen aufgeben zu müssen, feierte Wiedersehen mit dem hübschen Jersbek, wurde so nass wie noch nie, verliebte mich in die unendliche Weite, die nur Norddeutschland kann und beschloss, dass Bargteheide und ich uns nie mehr wiedersehen würden. Außerdem brach ich zum ersten Mal überhaupt eine Wanderung ab und stieg nach einem Pausentag wieder ein.

Eiskeller Jersbek, Stormarnweg, Nütschau, Stormarn
Zwischen Jersbek und Nütschau – auch Norddeutschland kann blauen Himmel. Manchmal.

Kurz vor Ende ging ich schließlich ins Kloster, genoss die Ruhe, bewältigte 48 Stunden in Stille und fand heraus, dass Schweigen nicht Neues für mich ist und ich meine besten Erkenntnisse im Diskurs entwickle.

Rauf auf den Albtrauf – Wie sich der Albsteig in mein Leben schlich (August-Oktober 2020)

Als klar war, dass ich den Camino del Norte auch im Herbst pandemiebedingt nicht zu Ende bringen würde, schaute ich mich nach passenden Alternativen in Deutschland um. Diesmal sollte es aber bitte etwas hügeliger sein, sonst würde ich das Jahr noch mit Plattfüßen beenden. Wie schon beim Stormarnweg musste ich auch diesmal nicht suchen. Der Weg kam zu mir.

Während ich mit dem Schluchtensteig im Schwarzwald oder dem Altmühltal Panoramaweg liebäugelte, bekam ich Post von Steffi vom LECW-Blog. Sie wollte sich eigentlich nur erkundigen, wie es mit meinem Buch vorangehe und fragte nebenbei, ob ich noch eine Wanderung plane. Ich teilte meine Ideensammlung und fragte, ob sie einen Tipp habe. Steffi und ihr Friedel sind selbst fleißige Wanderer, die viel auf der Insel unterwegs sind, aber auch ambitioniert durch Deutschland stiefeln.

Und siehe da. Steffi antwortete prompt. Der Panoramaweg sei ihr zu touristisch, der Schluchtensteig zu voll und dunkel, aber der Albsteig (oder HW1, wie ihn die Locals nennen) sei ihr absoluter Lieblingsweg. Bis jetzt habe sie leider noch niemanden überreden können, ihn zu laufen. Die langen Etappen und Höhenkilometer hätten die meisten abgeschreckt. Mein Interesse an diesem Weg auf der Schwäbischen Alb weckte sie sofort.

Aussichtsreicher Albsteig HW1.

Als nur wenige Tage später Wanderpäpstin Christine Thürmer im Spiegel-Podcast Smarter Leben erzählte, dass der Albsteig ihr Lieblingsweg in Deutschland sei, musste ich nicht mehr überlegen. Wenn ein Weg so aus dem Nichts zu mir kommt und sich quasi aufdrängt, dann laufe ich ihn auch.

Die Vorbereitung wurde die Aufwändigste seit Langem, denn die Dokumentation des Weges war, sagen wir mal, überschaubar. Es gab keine Blogs mit echten Erfahrungsberichten, der Rother Wanderführer war von 2016 (im April kommt eine neue Auflage, hoffentlich überarbeitet) und die Etappenvorschläge auf der Webseite des Weges für meinen Geschmack zu lang. Wochenlang stückelte ich mir den Weg zurecht, recherchierte Unterkünfte und suchte nach Nachtzügen. Am 20. September ging ich los.

Morgennebel im September. Einer meiner Lieblingstage

Ohne pathetisch klingen zu wollen, war das die beste Entscheidung des Jahres, denn Steffi und Christine hatten nicht übertrieben. Die 365 Kilometer dieses Weges haben mich mit ihren gigantischen Aussichten, beeindruckenden Landschaften, wunderbaren Burgen und zu Herzen gehenden Begegnungen randvoll mit Glück hinterlassen.

So viele hübsche Burgen und immer wieder Panorama vom Feinsten

Schon jetzt freue ich mich, dieses Schatzkästchen an Erinnerungen im nächsten Jahr sonntags für euch zu öffnen und meine Abenteuer zu teilen, damit dieser Premiumwanderweg endlich etwas mehr Beachtung findet. Verdient hat er es auf jeden Fall.

Wer nicht so lange warten will, kann sich meine Kurzberichte auf Facebook oder Instagram anschauen.

Gegen den Blues – Streifzüge durch die alte und neue Heimat (Oktober-Dezember 2020)

Mitte Oktober war ich wieder in Hamburg, gerade rechtzeitig. Der nächste Lockdown kündigte sich an, die nächste kleine Depression ebenfalls. Um nicht total schlecht drauf zu kommen, schnappte ich mir spontan einen guten Freund, und wir fuhren nach Mecklenburg-Vorpommern, einen Tag, bevor Ministerpräsidentin Schwesig uns Hamburger nicht mehr rein ließ. Es ging nach Zarrentin am Schaalsee, das, nur eine Autostunde von Hamburg entfernt, auf uns wartete.

Es wurde einer der schönsten Tage des Jahres, denn wir fanden nicht nur jede Menge Pilze, eine riesige Eiche und hübschen Wald, sondern einen See mit unfassbar klarem Wasser und dazu Sonnenschein vom Feinsten. Völlig glücksbeduselt ging es abends zu den laut mitgesungenen Klängen von Eros Ramazotti zurück nach Hamburg (meine Tour gibt es übrigens bei Komoot zum Nachwandern).

Rund um den Schaalsee

Im November knöpfte ich mir noch einmal die erste Hälfte des Alsterwanderwegs vor und lief von Kayhude durch buntes Herbstlaub 21 Kilometer entlang der Alster. Nur die Dunkelheit hielt mich davon ab, den Weg bis vor die Haustür zu gehen. Einmal mehr war ich berauscht von der Schönheit meiner Stadt und ihres Umlandes.

So bunt ist der Herbst auf dem Alsterwanderweg

Wer hätte gedacht, dass ich einmal ähnlich begeistert über meine alte Heimat, die westlichste Gemeinde des Kreises Heinsberg, schreiben würde? Ich nicht. Das wird aber höchste Zeit, denn letztes Wochenende nahm ich die Gegend einmal genauer unter die Wanderlupe.

Als ich 1999 auszog, hatte ich mit Wandern noch nichts am Hut. So ergaben sich nun zwei völlig überraschende Mikroabenteuer kurz vor Weihnachten. Samstags lief ich bei schönstem Wetter 16 Kilometer, vorbei an idyllischen Angelweihern bis ins Dorf Millen, das auf eine 1000-jährige Geschichte zurückblickt. Von dort ging es auf der niederländischen Seite des Rodebachs zurück (auch diese Tour gibt es mit weiteren Fotos bei Komoot).

Wanderung über Süsterseel, Tüddern, Millen und Sittard
Wenn Grönemeyer „Tief im Westen“ singt, hat er keine Ahnung, wie tief im Westen wirklich geht!

Am Sonntag warf ich einen genaueren Blick auf das renaturierte Rodebachtal, startete erneut vor der Haustür, umrundete den Segelflugplatz auf der niederländischen Seite der Grenze und lief dann zwischen Galloway-Rindern, Dromedaren und Schafen im Sonnenuntergang nach Hause (Tour und weitere Fotos ebenfalls bei Komoot).

So schön ist es im Rodebachtal

Und damit bin ich im Hier und Jetzt angekommen, am Nachmittag des Heiligen Abend 2020. Das Fest wird anders sein, genau wie das ganze Jahr. Viele Menschen, die mir am Herzen liegen, werde ich nicht sehen können, liebgewonnene Traditionen werden ausfallen. Und trotzdem bin ich mir sicher, dass es ein schönes Fest wird.

Wünsch dir was – das kleine Finale

Ich wünsche euch von Herzen eine entspannte Zeit, wünsche euch, dass ihr sie mit denjenigen genießen könnt, die ihr um euch habt und nicht zu traurig seid, dass andere fehlen. Vielleicht verbringt ihr die Zeit diesmal allein? Dann genießt zur Abwechslung einmal euch selbst. Seid gut zu euch. Passt auf euch auf und bleibt vor allem gesund.

An dieser Stelle mein dickes Danke für die vielen Nachrichten, für eure Kommentare und Tipps, Fragen und eigenen Geschichten. Ich freue mich sehr darauf, euch nächstes Jahr virtuell über den Albsteig zu schleppen. Kommt gut aus diesem Jahr heraus und hinein in ein neues, fröhliches 2021, randvoll mit Abenteuern, Spaß, Begegnungen und jeder Menge neuer Erfahrungen.

Eure Audrey

Ich muss das weitersagen

12 Gedanken zu „Die gute Luft nach oben – 2020, ein Jahresrückblick&8220;

  1. Liebe Audrey,
    das ist gar nicht so wenig für dieses spezielle Jahr 2020, was du gemacht hast und immerhin bleiben noch ausreichend Abenteuer für zusätzlichen Lesestoff übrig. Auf die Berichte über den Albsteig freue ich mich schon sehr. Den Tiefpunkt im Kampf gegen SARS 2-Covid-19 haben wir hoffentlich jetzt erreicht und 2021 darf besser werden. Wie sonst könnte man die trübe Winterszeit überstehen, wenn man nicht Pläne für die anderen drei Jahreszeiten schmieden kann. Es braucht also eine Perspektive.
    Ich wünsch dir ein paar ruhige und besinnliche Feiertage, bleib gesund und komm mit viel Optimismus und Tatendrang im nächsten Jahr an.
    Viele aufmunternde Grüße
    Bernhard

    1. Lieber Bernhard,
      Ich hoffe sehr, dass es dir gut geht und du das Jahr gesund hinter dich bringst.
      Vielen Dank für deine guten Wünsche. Ich werde sie mir zu Herzen nehmen. Tolle Idee, das neue Jahr vorab in drei weitere Jahreszeiten zu teilen! Ich drücke uns allen die Daumen.
      Der Albsteig wird kommen, versprochen. Er hat es einfach verdient. Ich muss nur schon mal anfangen, damit ich hintenraus nicht wieder im Schreibstress lande ☺️
      Und dann bin ich ebenso gespannt, wo es uns alle in dem Jahr hintreibt. Wir werden sehen.
      Frohe Weihnachten
      Audrey

  2. Hallo Audrey,
    vielen Dank für den inspirierenden Rückblick! Auch ich freue mich sehr auf deinen Bericht vom Albsteig! Ich plane, den Weg im April zu gehen (und muss auch erstmal mit dem 2016er Wanderführer arbeiten…). Was mich schon mal vorab interessieren würde: Warst du alleine unterwegs? Und wenn ja – hast du dich jederzeit sicher gefühlt bzw. bist du unterwegs öfter mal anderen Wanderern begegnet?

    Liebe Grüße
    Esther

    1. Hi Esther,
      wie schön, dass du dir den Albsteig vornimmst! Der ist wirklich toll. Ich habe mich jederzeit (wie eigentlich immer beim Wandern) sicher gefühlt. Ich war allein unterwegs, habe aber bereits am ersten Tag einen Mitwanderer getroffen, der mich fast alle Tage begleitet hat. Es waren ein paar Leute unterwegs.
      Vielleicht helfen dir meine Streckeneinteilungen ja bei der Planung. Du kannst mal bei Komoot schauen, da habe ich jeden Tag getrackt (und du siehst auch gleich, wo ich mich verlaufen habe 😂)
      Die GPX-Tracks im Rother sind stellenweise überholt. Die Markierung ist nicht immer perfekt. Lade dir auf jeden Fall die Tracks runter, wäre mein Tipp und versuche, in so vielen Wanderheimen / Naturfreundehäusern etc. unterzukommen. Das waren meine Lieblingsorte. Leider hatten nur wenige wegen Corona auf. Vielleicht hast du ja mehr Glück!
      Willst du den ganzen Albsteig laufen?
      Bei Fragen meld dich gern – vielleicht bin ich ja aber auch bis dann mit den Berichten fertig 😉

  3. Ich wünsche Dir noch einen grossartigen Weihnachtstag. Mir hast Du schon einmal
    ein grossartiges Geschenk präsentiert mit der Ankündigung der Tagesberichte
    über den Alpensteig und weiterer Vorhaben im nächsten Jahr.
    Ich wünsche Dir und uns allen ein gesundes, spannendes aber auch wieder „anderes“ neues
    Jahr.
    Horst

    1. Hallo Horst,
      Hab vielen Dank für deine Nachricht. Das freut mich sehr.
      Und auf die Berichte über den Albsteig ebenso. Gib mir noch ein paar Wochen 😉
      Frohe Weihnachten

  4. Liebe Audrey,
    da fühle ich mich aber arg geschmeichelt, dass du mich in einem Atemzug zusamrn mit der Wanderpäpstin nennst! 😜
    2021 muss definitiv ein besseres Jahr werden, aber wir sind 2020 zumindest viel gewandert, wa?
    Nun freue ich mich schon auf die Berichte von HW1!
    Liebe Grüße
    Steffi

    1. Ehre, wem Ehre gebührt 😊 Du hattest einen sehr entscheidenden Anteil.
      Ich bin total gespannt, welcher Weg mir 2021 vor die Füße fällt.
      Und wir sehen uns ja vielleicht, wenn ihr ein Stück Stormarnweg lauft 🙃
      Bis bald
      Audrey

  5. Liebe Audrey,

    auch wenn 2020 für mich viel Schönes im Gepäck hatte, hat es sich für mich und meine Familie kurz vor Weihnachten leider doch noch von seiner schlechten Seite gezeigt und das wird mich wohl leider auch noch bis zum Jahreswechsel beschäftigen. Von daher kann 2021 nur besser werden, da teile ich Deinen Optimismus voll und ganz!

    Ich bin so froh, mit dem Wandern ein Hobby zu haben, dass ich auch in dieser besch… Zeit fast nach Herzenswunsch durchziehen kann. Dass ich mir dabei gerne den Kopf „klar“ laufe, ist ja kein Geheimnis – und wenn dann noch so wunderschöne Sonnenuntergänge (oder ab- und zu auch -aufgänge) dabei sind, wie auf Deinen Fotos, würde ich am liebsten die Zeit anhalten. Wunderschön.

    Mit der Eifel (und den Ardennen) habe ich zum Glück auch ein riesiges Wandergebiet quasi direkt vor der Türe, in dem ich mich austoben kann. Auch wenn wahrscheinlich viele Menschen aus dem Westen meinen „Böööh, Eifel langweilig, kenne ich aus dem Schullandheim!“ – wenn man nicht gerade eine Kaffeefahrt an den Rursee oder nach Bad Münstereifel macht, ist das doch sehr spannend. Vor allem ist es für mich bergig genug – um den Albsteig zu gehen, müsste ich wahrscheinlich noch einiges an Kondition bolzen 🤷

    Von daher wird es – wenn alles klappt – 2021 bei mir um einiges flacher. Ich möchte nämlich quasi vor Deiner Haustüre starten und den Heidschnuckenweg gehen. Damit möchte ich meine Freundin vorsichtig an das Langstreckenwandern heranführen 😏

    Viele Grüße und ein frohes neues Jahr,
    Stefan

    1. Stefan, tut mir leid zu hören, dass das Jahr nicht so bombig endet. Ich hoffe, du kriegst eine gute Kurve ins neue Jahr!

      Was deinen Heidschnuckenweg anbelangt, so unterschätze bloß nicht, was flaches Laufen mit einem macht. Ich fand den Stormarnweg um ein Vielfaches anstrengender als den Albsteig.
      Macht aber den HS-Weg dennoch, denn dann können wir uns endlich mal persönlich kennenlernen.
      Ich bestehe auf einem Kaffee bei mir mit dir und deiner Freundin!

      Die Eifel ist doch super schön! Ich finde das alles andere als langweilig. Und es gibt nichts besseres, als so was vor der Tür zu haben (das fehlt mir tatsächlich in Hamburg). Eines Tages werde ich mir sicher auch noch den Eifelsteig krallen und dann stehe ich vor deiner Haustür 😉

      Alles Gute für 2021!
      Audrey

  6. Liebe Audrey,
    seit der Veröffentlichung deines – wie immer- sehr unterhaltsamen Jahresrückblicks hatte ich nun tagelang gegrübelt, was ich nun einigermaßen Intelligentes darunter setzen kann. 😉
    Nun, wohl niemand kann mit deinem Wandereifer mithalten, auch ich nicht. Addicted to Hike – das bist du. Auf sehr sympathische Art wählst du dein Projekte .. müssen es doch nicht immer der Jakob- oder der Hochalpen-Steig sein. Das hast du dieses Jahr schön vorgeführt. Deine Stormarnweg-Wanderung hab ich bereits weiter empfohlen, da muss ich noch mal etwas Druck machen…
    Warum also in die Ferne schweifen … sag ich mir auch immer gern. Neben drei Tagen Jakobsweg-Wanderung an der Elbe von Bad Wilsnack nach Tangermünde an den heißesten Tagen des Spätsommers (aua, meine untrainierten Füße), hab ich dann die anderen 300 km Jakob in Brandenburg doch lieber mit dem Rad gemacht (ist ja regelgerecht, haha).
    Schön ist es doch, dass Corona uns wandern lässt, egal ob Rad oder Wanderstiefel.
    Und wenn es dich mal wieder nach Berlin spült … du weißt ja, wo wir eine Kas Limon trinken können 🙂
    Sei gedrückt mit liebsten Grüßen,
    Ralph

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